5.7.2026 - Mit frischem Sound, viel Leidenschaft und einer ordentlichen Portion Überraschung sorgt am nächsten Sonntag erstmals die Bohemian Marching Band aus dem tschechischen Sokolov für neue Klangfarben im Festzug des Selber Wiesenfest.
Für viele Zuschauer dürfte die Formation dabei zwar neu sein – ganz unbekannt ist sie in Selb allerdings nicht. Bereits 2023 begeisterten die Musiker im Rahmen der Bayerisch-Tschechischen Freundschaftswochen mit ihrem modernen Sound diesseits der Grenze. Nun folgt die Premiere beim Wiesenfest – und die dürfte alles andere als gewöhnlich werden.
Gegründet wurde die Band im März 2015 von Robert Kučera, der selbst Tuba und Bassgitarre spielt. Gemeinsam mit Freunden aus Orchestern aus Kynšperk und Sokolov wollte er bewusst neue Wege gehen. Statt traditioneller Blasmusik setzt die Formation auf moderne Arrangements, Filmmusik, Rock- und Popklassiker sowie bekannte Märsche aus Kino und Fernsehen. „Wir spielen alles, was uns gefällt“, sagt Kučera, nur klassische Blaskapellenmusik lasse man bewusst außen vor. Die hätten schließlich viele der Musiker ohnehin bereits in ihren anderen Orchestern im Repertoire.
Und genau das macht die Bohemian Marching Band so besonders: Sie verbindet die Energie einer Marching Band mit einem Repertoire, das man bei einem traditionellen Festzug nicht unbedingt erwartet. Mal kraftvoll und mitreißend, mal emotional und cineastisch – die Musiker wollen nicht nur gehört, sondern erlebt werden.
Aktuell zählt die Formation rund 25 Musiker. Die Besetzung verändert sich dabei immer wieder. Junge Mitglieder verlassen die Region zum Studium, ältere Musiker ziehen sich aus gesundheitlichen Gründen zurück. „Deshalb suchen wir ständig neue Mitglieder“, erzählt Kučera. Besonders schade finde er, dass das Interesse an Blasinstrumenten allgemein zurückgehe – mit Ausnahme von Mähren, wo die Tradition weiterhin stark verwurzelt sei.
Beim Wiesenfest wird die Band ohne Majoretten auftreten. Nicht etwa aus mangelnder Lust, sondern aus organisatorischen Gründen. Eigene Tänzerinnen hat die Formation nicht, sie
werden üblicherweise aus anderen Städten ausgeliehen – und gemeinsame Termine zu finden, sei nicht immer einfach. „Mit den Mädchen ist es natürlich immer schöner, weil es dann auch etwas zu sehen gibt“, sagt Kučera augenzwinkernd.
Die Musiker aus Sokolov können bereits auf zahlreiche besondere Auftritte zurückblicken. Sie spielten die tschechische Nationalhymne bei einem American-Football-Spiel in Prag live vor Fernsehkameras, traten bei Hochzeiten und Beerdigungen auf und waren Gast bei großen Festivals. Besonders in Erinnerung geblieben ist Kučera ein Festival im nordböhmischen Štětí, bei dem eigentlich nur große Blasorchester erwartet wurden. Trotzdem durfte die vergleichsweise kleine Formation mit rund 30 Musikern und Majoretten teilnehmen und sorgte dort offenbar für beste Stimmung.
Auch an Selb hat die Band beste Erinnerungen. Der Auftritt 2023 sei „wunderschön“ gewesen, erzählt Kučera. Trotz der ständigen Fahrten zwischen Aš und Selb habe das Publikum die Musiker begeistert empfangen. „Das Publikum hat uns nicht enttäuscht und genau das macht einen Auftritt erfolgreich.“
Umso größer ist nun die Vorfreude auf das Wiesenfest 2026. Denn obwohl die Musiker bislang kaum etwas über das traditionsreiche Fest wissen, ist die Neugier riesig. „Wir freuen uns schon sehr auf Selb – auch weil wir keine Ahnung haben, was uns erwartet“, sagt Bandgründer Robert Kučera mit einem Lachen.
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selb-live.de – Michael Sporer; Fotos BMB


