2.7.2026 – Mit einem symbolischen Spatenstich hat der Tierschutzverein Selb ein Bauprojekt offiziell auf den Weg gebracht, das den Verein und die Region über viele Jahre prägen wird. Auf einem Grundstück im Industriegebiet Selb-West entsteht in den kommenden Monaten ein neues Tierheim, das den heutigen Anforderungen an den Tierschutz gerecht werden und die seit Jahrzehnten genutzte Einrichtung ersetzen soll.
Vertreter des Tierschutzvereins, der Stadt Selb, der beteiligten Planungs- und Baufirmen sowie zahlreiche Gäste nahmen an der Feierstunde teil. Für den Verein markiert der Baubeginn einen Meilenstein nach einer langen Planungsphase und zugleich den Beginn einer neuen Ära im Selber Tierschutz.
Jahrzehnte im Dienst des Tierschutzes
Das bestehende Tierheim wurde seit rund 60 Jahren betrieben und stößt nach Angaben des Vereins inzwischen sowohl räumlich als auch funktional an seine Grenzen. Die vorhandenen Gebäude entsprächen nicht mehr den heutigen Anforderungen an Tierhaltung, Arbeitsabläufe und Tiermedizin. Insbesondere fehlten ausreichend Rückzugsmöglichkeiten für Tiere, getrennte Unterbringungsmöglichkeiten sowie moderne Funktionsräume.
Mit dem Neubau sollen diese Defizite beseitigt werden. Vorgesehen sind großzügigere Unterbringungsbereiche für Hunde und Katzen, verbesserte Quarantäne- und Behandlungsräume sowie deutlich bessere Bedingungen sowohl für die Tiere als auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer.
Eva Rogler: „Ein Traum wird Wirklichkeit“
Für den Tierschutzverein sprach Vorsitzende Eva Rogler von einem lange gehegten Wunsch, der nun Wirklichkeit werde. Der Spatenstich sei für den gesamten Verein ein besonderer Moment, da viele Menschen über Jahre auf dieses Ziel hingearbeitet hätten.
Die Vorsitzende erinnerte zugleich an die kürzlich verstorbene langjährige Ehrenamtliche Ursula „Uschi“ Huber, die sich seit Ende der 1980er Jahre über Jahrzehnte im Tierheim engagiert und zahlreiche Verbesserungen mit auf den Weg gebracht habe. Ihr Engagement habe den Verein nachhaltig geprägt. Der Baubeginn sei daher auch ihrem Andenken gewidmet.
Rogler machte deutlich, dass ein Projekt dieser Größenordnung für einen gemeinnützigen Verein ohne umfangreiche Unterstützung nicht zu realisieren wäre. Anders als kommunale Einrichtungen finanziere sich der Tierschutzverein überwiegend durch Spenden, Erbschaften und ehrenamtliches Engagement. Gerade Nachlässe von Tierfreunden hätten wesentlich dazu beigetragen, dass der Neubau überhaupt möglich geworden sei.

Unterstützung aus vielen Bereichen
Besonderen Dank richtete Rogler an die zahlreichen Unterstützer des Projekts. Neben den Mitgliedern des Vereins hob sie die Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt, der Stadt Selb, dem Architekturbüro Wolfram sowie den regionalen Bauunternehmen hervor.
Innerhalb weniger Monate sei gemeinsam ein Baukonzept entstanden, das auf umfangreichen Erfahrungen basiere. Vertreter des Vereins und der Architekten hatten dafür verschiedene Tierheime in Deutschland besichtigt und zahlreiche Lösungen analysiert, um möglichst optimale Bedingungen für Tiere und Personal zu schaffen.
Mehr Platz und weniger Stress für die Tiere
Im Mittelpunkt der Planungen steht nach Angaben des Vereins das Wohl der Tiere. So sollen künftig deutlich mehr Einzelunterbringungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Dadurch können insbesondere verletzte, kranke oder besonders stressanfällige Tiere besser versorgt werden. Gleichzeitig sollen Lärm und gegenseitige Belastungen zwischen den Tieren erheblich reduziert werden.
Auch der neue Standort außerhalb eines Wohngebietes bringe Vorteile mit sich. Einerseits würden die Tiere ruhiger untergebracht, andererseits entfalle die bisherige Belastung der Nachbarschaft durch Tiergeräusche.
Darüber hinaus soll das neue Tierheim nach ökologischen Gesichtspunkten errichtet werden. Geplant sind unter anderem eine Photovoltaikanlage, eine extensive Dachbegrünung, eine möglichst vollständige Versickerung des Regenwassers auf dem Grundstück sowie nachhaltige Baustoffe. Ziel sei es, moderne Tierhaltung und umweltbewusstes Bauen miteinander zu verbinden.
Oberbürgermeister würdigt ehrenamtliches Engagement
Selbs Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch bezeichnete den Spatenstich als bedeutenden Tag sowohl für den Verein als auch für die Stadt. Er würdigte insbesondere das außergewöhnliche ehrenamtliche Engagement des Tierschutzvereins. Innerhalb kurzer Zeit sei es gelungen, Planung, Grundstückserwerb und Finanzierung soweit voranzubringen, dass bereits mit den Bauarbeiten begonnen werden könne.
Pötzsch betonte, dass der Umgang mit hilfsbedürftigen Tieren Ausdruck einer solidarischen Gesellschaft sei. Der Tierschutzverein erfülle seit vielen Jahren wichtige Aufgaben für die Allgemeinheit, indem er ausgesetzte, verletzte oder abgegebene Tiere aufnehme und versorge. Gleichzeitig unterstütze er Tierhalter in schwierigen Lebenssituationen und übernehme damit auch öffentliche Aufgaben.
Die Stadt habe den Verein während der Planungsphase begleitet und werde das Projekt weiterhin unterstützen. Dass das benötigte Grundstück zur Verfügung gestellt werden konnte, bezeichnete der Oberbürgermeister als wichtigen Beitrag der Stadt zum Gelingen des Vorhabens.
Architekt: Intensive Planungsphase führte zum Ziel
Für das Architekturbüro Wolfram blickte Philipp Wolfram auf den außergewöhnlichen Planungsprozess zurück. Anders als bei klassischen Bauprojekten existierten für Tierheime kaum standardisierte Planungsgrundlagen.
Gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Tierheims seien deshalb zahlreiche Tierheime in Deutschland besichtigt und Erfahrungen ausgewertet worden. Viele Planungsabende hätten außerhalb der regulären Arbeitszeit stattgefunden. Insgesamt seien mehr als 20 Entwurfsvarianten entstanden, bevor schließlich das endgültige Konzept entwickelt werden konnte.
Vom ersten Planungsgespräch im März 2025 bis zur Einreichung des Bauantrags im März 2026 verging rund ein Jahr. Bereits zwei Monate später lag die Baugenehmigung vor. Nach Ansicht des Architekten sei dies nur durch die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten sowie die konstruktive Unterstützung der Stadtverwaltung möglich gewesen.
Auch den beteiligten regionalen Unternehmen bescheinigte Wolfram eine zuverlässige und unkomplizierte Zusammenarbeit. Gerade diese kurzen Wege seien ein wesentlicher Vorteil des Projekts.
Fertigstellung in den kommenden Monaten geplant
Mit dem symbolischen Spatenstich beginnen nun die eigentlichen Bauarbeiten. Nach den Planungen des Vereins soll das neue Tierheim innerhalb der kommenden anderthalb Jahre entstehen.
Mit dem Neubau erhält der Tierschutzverein Selb erstmals seit Jahrzehnten eine Einrichtung, die den heutigen Anforderungen an Tierwohl, Arbeitsbedingungen und Nachhaltigkeit entspricht. Für den Verein ist der Baubeginn zugleich ein sichtbares Zeichen dafür, dass sich langjähriges ehrenamtliches Engagement, breite Unterstützung aus der Bevölkerung sowie die Zusammenarbeit zahlreicher regionaler Partner erfolgreich zu einem gemeinsamen Zukunftsprojekt entwickelt haben.


