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wgg selb 0226915.2.2026 - Welchen Einfluss haben sozial prekäre Verhältnisse auf Lebenswege? Was macht Ghosting, also eine plötzliche, unangekündigte Trennung, mit einer Person? Geht es im Leben nur darum, irgendwie seinen Lebensunterhalt zu verdienen, oder warum lohnt es sich, neugierig zu sein und immer weiter zu lernen? Auch: Was ist Gerechtigkeit? Wann ist eine Handlung zu verurteilen, welche Motive sind nachvollziehbar, gar entschuldbar?

 Zum Nachdenken über solche Fragen lädt der französische Spielfilm „Marie-Line et son juge“ (dt. Wie das Leben manchmal so spielt) von Jean-Pierre Améris von 2023 ein, in dem mit Louane Emera, Michel Blanc und Victor Belmondo namhafte Schauspieler die Hauptrollen verkörpern. Fast 100 Französischlernende aus den Jahrgangsstufen 9 bis 13 des Walter-Gropius-Gymnasiums verfolgten im Spektrum Selb die Geschichte um die erstaunliche Freundschaft zwischen der 25-jährigen Lilline und einen betagten Richter mit Spannung, Amüsement und auch mit Mitgefühl – natürlich im französischen Original mit deutschen Untertiteln. Sie erlebten, wie Lilline sich dank der Denkanstöße des Richters aus ihrer seit frühester Jugend ausweglos scheinenden Situation befreit und wie sie umgekehrt dem Richter, der wegen seines schweren Schicksals und seiner ständigen Konfrontation mit den Abgründen des menschlichen Wesens schwermütig und alkoholkrank geworden ist, neuen Lebensmut gibt. Die Gymnasiasten begegneten damit auch einem Stück Filmkunst in guter französischer Tradition: Hier dominieren nicht actionreiche Szenen, sondern die Handlung ist weitgehend in die Dialoge verlegt, in denen sich die innere Wandlung der Figuren und ihre Entwicklung zeigt. Das war sicherlich eine neue Erfahrung für die Sehgewohnheiten manches Schülers. Das gesamte junge Publikum verfolgte den hervorragend inszenierten und gespielten Film dennoch – oder deshalb? – bis zum Ende mit großer Aufmerksamkeit.

Auf die Besonderheit der in Frankreich auch Siebte Kunst genannten Filmkunst wiesen direkt in diesem Film zahlreiche Anspielungen auf den Klassiker „Jules et Jim“ (1962) von François Truffaut hin: Die Nouvelle Vague, als deren wohl einflussreichster Vertreter dieser Regisseur gilt, wandte sich entschieden gegen Konsumorientierung und den vorhersehbaren Erzählfluss des kommerziellen Kinos und schuf neue filmische Erzählformen. „Das Spektrum Selb ist eine für uns sehr wertvolle kommunale Einrichtung: Sie öffnet den Blick unserer Schüler auch über ihren Tellerrand hinaus“, freut sich Schulleiterin Tabea-Stephanie Amtmann über solche Kooperationen zwischen dem Walter-Gropius-Gymnasium und dem Kino. Denn weitere Ausflüge sollen folgen, um den Schülerinnen und Schülern abseits vom Mainstream die Begegnung mit Filmen von besonderem kulturellen Wert zu ermöglichen. Neben den nächsten französischen Filmen plant das Spektrum Selb für die nächsten Monate auch solche in englischer, spanischer und eventuell sogar tschechischer Sprache im Original mit Untertiteln. „Wenn ein Film erneut so gut zum Lehrplan passt und wir es schulorganisatorisch einrichten können, kommen wir gerne wieder“, betonte Konrektorin Dr. Christine Wlasak-Feik, als sie Herrn Bärnreuther und seinem Team für die hervorragende Zusammenarbeit dankte.

wgg selb 02269selb-live.de – Presseinfo WGG Selb

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