Kerstin und Jörg Schmidling hauchen Traditionscafé neues Leben ein
6.2.2022 – Die letzten Handgriffe werden noch getätigt, Schränke und Regale eingeräumt und alles auf Hochglanz gebracht. Nach den letzten Umbauarbeiten in dieser Woche präsentiert sich „‘s Hatzel“ im gänzlich neuen Look. Am morgigen Montag eröffnet das Café in der Ludwigstraße unter der Leitung von Kerstin und Jörg Schmidling.
Eingespielt sind die beiden Selber bereits mit ihrem Team. Im Dezember schon haben sie das Kaffeehaus erstmals unter ihrer Regie eröffnet. Stets unter dem Begriff „Baustellencafé“ wurden Kaffee und Kuchen den Gästen serviert, Backwaren angeboten. Denn fertig waren die Räumlichkeiten schließlich noch nicht.
Als das Ehepaar im Juli mitbekommen hatte, dass das Traditionscafé unter den bisherigen Pächtern Ende September schließen wird, reifte nach und nach der Gedanke, dieses übernehmen zu wollen. „Wir waren selbst gerne mit unseren Freunden im Hatzel. Dass dieses dann auf lange Zeit leer stehen sollte, oder vielleicht irgendwann nur ein Filialbetrieb mit Selbstbedienungstheke nachfolgen könnte, das gefiel uns nicht. Das Hatzel ist eben eine Institution“, ist den beiden Selbern sehr viel daran gelegen, in ihrer Stadt auch etwas zu bewegen. „Wir wollen ein Zeichen setzen und nicht rumjammern", waren sie rasch überzeugt, das Hatzel nicht nur zu übernehmen, sondern diesem ein neues Leben einzuhauchen. Folglich wurde Abschied davon genommen, „nur mal schnell die Wände zu streichen und einfach so wie bisher weiterzumachen. Wir wollten auch nichts reinschlampern. Wenn wir das schon machen, dann muss es was Gescheites sein“, setzen die Schmidlings auf Qualität.
Jede Menge Engagement zeigte die Familie nicht nur bei der Planung des Projekts. Dank fleißiger Unterstützung durch Freunde und die Zuarbeit von Handwerkern wurde im Herbst tatkräftig angepackt. Von den Sanitäranlagen bis hin zur Heizung wurde nahezu alles neu gemacht. Schritt für Schritt wurden die Bautätigkeiten auf der eigens eingerichteten Instagram-Seite dokumentiert. Das wurde mit einer guten Anzahl an neugierigen Abonnenten honoriert.
Wohlwissend, dass die neue Inneneinrichtung erst Ende Januar geliefert werden kann, aber in der Innenstadt keine geöffneten Cafés auszumachen waren, entschlossen sich die neuen Pächter, ihr Angebot eben im schon besagten „Baustellencafé“ anzubieten. Bei den Gästen kam das an. Kerstin und Jörg Schmidling sind über den guten Zuspruch in den ersten sechs Wochen sehr erfreut. Manch einem gefiel gar das Ambiente wild zusammengewürfelter Tische und Stühle. „Das war unsere eigene Terassenbestuhlung und Messemöbel unseres Ladenbauers“, musste jedoch natürlich auch häufig erklärt werden, dass man mit dem Umbau noch gar nicht fertig ist.
Die Vorfreude auf die Anlieferung der neuen Einrichtung war beim gesamten Hatzel-Team groß. Am vergangenen Wochenende wurde die altehrwürdige Theke abgebaut. In diesen Tagen folgte der Aufbau der Möblierung. Verkaufstresen, Tische und Stühle, nichts erinnert mehr an den einstigen Charme. „Ich bekam richtig Gänsehaut, als ich das zum ersten Mal gesehen habe,“ hat auch Jan Arpáš ein Strahlen im Gesicht. Die langjährige Bedienung des Hatzel wurde mit übernommen. Er gehört zur Mannschaft bestehend aus zwei angestellten Vollzeitkräften, einer Auszubildenden und weiteren Aushilfskräften. „Jetzt sieht unser Café modern und gemütlich aus“, ist das Ehepaar schon jetzt sehr zufrieden, wenngleich beispielsweise an den Wänden noch Bilder fehlen. Das sind jedoch Kleinigkeiten, wie auch die Ladenfront noch erneuert wird.
46 Sitzplätze und drei Stehplätze stehen den Gästen nun zur Verfügung. Hinzu wird in den Sommermonaten der Außenbereich mit genutzt. Das nicht nur direkt vor dem Café, sondern auch mit auf der gegenüberliegenden Seite in der Ludwigpassage. Mit geplant ist dann auch, am Abend länger zu öffnen.
Vom Frühstück über Kaffee und anderen Heißgetränken, dazu Kuchen und Sahneschnitten, außerdem Suppen und Brotzeiten wird es weiter Snacks als auch vegetarische Angebote geben. Auf Backwaren dürfen sich Kunden ebenso freuen. Wichtig ist den neuen Betreibern, auf Regionalität und Nachhaltigkeit zu setzen. So werden die Backwaren von der Münchberger Slow-Food-Bäckerei Fickenscher geliefert. „Diese verwendet Zutaten von Landwirten aus der Region“, wird das Gebäck dann direkt im Café zu Ende gebacken und somit stets frisch ist, man aber auch flexibel reagieren kann und nichts weggeschmissen werden muss. Bewusst zusammengearbeitet wird unter anderem auch mit den beiden Selber Metzgereien Schmidkunz und Sandner, der Brauerei Meinel und gar in Sachen Kaffeebohnen mit dem „Schwarzen Peter“ im Bahnhofsgebäude.
Zusammen mit den benachbarten Geschäften die ein oder andere gemeinsame Veranstaltung auf die Beine stellen, das kann sich das Ehepaar ebenso durchaus vorstellen. Selbst will man natürlich auch eigene Mottoabende durchführen. Und der einst legendäre „Hatzel-Fasching“ soll spätestens im nächsten Jahr wieder stattfinden.
Apropos Hatzel: Natürlich freuen sich auch die beiden Lebkuchenspezialisten Michael und Christian Hatzel, dass nicht nur das Haus, sondern auch der Name weitergeführt wird. „Es war schon immer „‘s Hatzel“ und nicht das Hatzel“, erklären die neuen Inhaber, weshalb am bekannten Begriff als Name festgehalten wird. Dieser bekam selbstverständlich einen feschen Schriftzug als Logo verpasst. Tradition und Moderne in einem, „denn wir wollen auch ein Café für alle Generationen sein!“
„‘s Hatzel“ hat aktuell wie folgt geöffnet
Montag bis Freitag 8 bis 18 Uhr, Samstag 9 bis 16 Uhr. Ab dem 13. Februar jeweils jeden zweiten Sonntag von 9-16 Uhr.
Außerdem ist „‘s Hatzel“ mit einer eigenen Seite auf Instagram vertreten.
selb-live.de – Michael Sporer