2.8.2026 - Selb hat einmal mehr eindrucksvoll bewiesen, warum die Stadt weit über ihre Grenzen hinaus als Heimat des „Weißen Goldes“ bekannt ist. Das 34. „Fest der Porzelliner“ lockte am Samstag tausende Besucher in die Innenstadt und verwandelte die Porzellanstadt in ein lebendiges Paradies für Sammler, Schnäppchenjäger, Designliebhaber und alle, die die Faszination Porzellan hautnah erleben wollten.
Schon in den frühen Morgenstunden waren die ersten Schnäppchenjäger zwischen den rund 350 Ständen, die sich durch die Innenstadt bis hin zu den beiden Outlet Centern erstreckten, unterwegs. Mit geschultem Blick wurden Raritäten entdeckt, Preise verglichen und leidenschaftlich verhandelt.
Während manche Verkäufer ihre Preisvorstellungen angesichts bestens informierter Käufer noch einmal überdenken mussten, durften sich clevere Sammler über echte Glücksgriffe freuen. Nicht selten wechselten wertvolle Dachbodenfunde für überraschend kleines Geld den Besitzer.
Die Auswahl ließ kaum Wünsche offen. Vom einzelnen Teller für einen Euro über komplette Kaffeeservices bis hin zu seltenen Figuren und exklusiven Sammlerstücken im vierstelligen Wert war alles vertreten. Genau diese Mischung macht den besonderen Reiz des Marktes aus.
Doch das „Fest der Porzelliner“ ist längst mehr als nur ein riesiger Porzellanmarkt. Jahr für Jahr unterstreicht die Veranstaltung eindrucksvoll den besonderen Stellenwert Selbs als internationales Zentrum der Porzellankultur. Das traditionsreiche Event ist längst zu einem Markenzeichen der Stadt geworden und zieht Besucher aus ganz Deutschland sowie den Nachbarländern an.
Ein Publikumsmagnet dabei war auch die Sonderfläche „Straße ≥ 1300°“. Hier präsentierten renommierte Porzellanmanufakturen und kreative Designer außergewöhnliche Einzelstücke und exklusive Kleinserien. Gemeinsam mit dem Verein Porzellanstraße e.V. zeigten Unternehmen aus Bayern und Tschechien eindrucksvoll, wie modern, innovativ und künstlerisch Porzellan heute sein kann.
Nach einem zunächst etwas ruhigeren Start füllten sich die Straßen der Innenstadt zusehends. Cafés, Biergärten und Restaurants waren bestens besucht, überall wurde gefachsimpelt und das besondere Flair genossen. Auch die beiden Selber Outlets profitierten vom Besucheransturm. Bereits in den Tagen vor dem Fest herrschte dort reger Betrieb.
Offiziell eröffnet wurde das Fest durch Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch gemeinsam mit Porzellankönigin Julia II. Dabei richtete das Stadtoberhaupt seinen besonderen Dank an die zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer sowie an Feuerwehr, THW und Bauhof. Ihr Engagement sorgt Jahr für Jahr dafür, dass eine Veranstaltung dieser Größenordnung sicher und reibungslos durchgeführt werden kann. Diesen Dank unterstrich auch Renate Wölfel vom Organisationsteam des Forums „Selb erleben“.
Aber: Während tagsüber noch ein abwechslungsreiches Programm in Sachen musikalischer Unterhaltung und mit einer Showeinlage der Dancing Kids der TS Selb geboten war, so auffällig mäßig besucht war dann vielmehr der Samstagabend. Folglich um 22 Uhr war bereits auf dem Marktplatz Schluss. Bessere Stimmung war bei der Formation „Kraizdaquer“ am Gerberplatz geboten. Dennoch konnte bei weitem nicht an die einst bestens frequentierten Porzellinerfest-Abende angeknüpft werden. Das Gegenteil ist der Fall.
Das Wetter spielte an diesem Tag allerdings nahezu perfekt mit. Bis auf wenige Regentropfen zur Mittagszeit und erst am Nachmittag mit dann ein paar Tropfen mehr zeigte sich der Himmel zumindest überwiegend von der freundlichen Seite. Fern von großer Hitze machten tagsüber angenehme Temperaturen den ausgedehnten Bummel durch die Porzellanstadt perfekt.
Wer am Samstag dabei war, erlebte einmal mehr, warum das Fest der Porzelliner weit mehr ist als nur eine Traditionsveranstaltung, wenngleich natürlich, trotz der weiterhin guten Besucherzahlen, die einstigen Rekordwerte nicht mehr gänzlich erreicht werden. Es ist aber noch immer trotz zurückgehender Anzahl an Gästen das Schaufenster einer Stadt, die wie kaum eine andere mit Porzellan verbunden ist. Gleichzeitig bringt das Fest wichtige wirtschaftliche Impulse für Handel, Gastronomie, Hotellerie und Tourismus. Jahr für Jahr beweist Selb eindrucksvoll, dass das „Weiße Gold“ nichts von seiner Strahlkraft verloren hat. Im Gegenteil: Das Porzellinerfest verbindet Tradition und Moderne, schafft Begegnungen und macht die Stadt für ein Wochenende zum Treffpunkt der internationalen Porzellanwelt.
Wer es am Samstag verpasst hat: Auch am heutigen Sonntag lohnt sich ein Besuch! Von 11 bis 16 Uhr haben die Geschäfte zum verkaufsoffenen Sonntag geöffnet, und ein kleinerer Flohmarkt mit über 100 Ständen bietet nochmal die Chance, so manch perfektes Stück zu ergattern.
selb-live.de – Michael Sporer

