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neujahr selb 012611.1.2026 - Großer Andrang im Rosenthal-Theater: Rund 400 Bürgerinnen und Bürger folgten dem öffentlich durchgeführten Neujahrsempfang der Stadt Selb. Nicht nur geladene Gäste, sondern alle Interessierten konnten den Ausführungen von Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch folgen und den musikalischen Beiträgen der Band „one & voices“ lauschen, die die Veranstaltung stimmungsvoll begleiteten. Unter den Zuhörenden befanden sich auch zahlreiche Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft, Vereinen und Institutionen.

Im Mittelpunkt der Rede des Oberbürgermeisters stand die Frage, wie Selb seine Zukunft gestaltet – wirtschaftlich, sozial und gesellschaftlich. Pötzsch spannte dabei einen weiten Bogen von aktuellen Herausforderungen bis hin zu langfristigen Entwicklungszielen und machte deutlich, dass die Stadt trotz schwieriger Rahmenbedingungen ihren Kurs fortsetzt.

 

Wirtschaft als zentrales Fundament

Angesichts der wirtschaftlich angespannten Lage betonte Pötzsch die besondere Bedeutung der heimischen Unternehmen. Die Entwicklung vom lokalen Händler über Dienstleister bis hin zum international tätigen Mittelstand habe für die Stadt oberste Priorität. „Wir tun alles, was in unserer Macht steht, um sie zu unterstützen“, erklärte der Oberbürgermeister.

Selb verfüge im Industriegebiet West weiterhin über attraktive Flächen für Investoren, zudem sei das Ziel, zusätzliche Gewerbeflächen an der Autobahn auszuweisen. Wirtschaft und Verwaltung arbeiteten dabei enger zusammen als je zuvor. Ein gut funktionierendes Firmennetzwerk ermögliche kurze Wege und schnelle Lösungen.

Besonders hob Pötzsch die Millioneninvestition der Firma NETZSCH hervor, die mit dem Bau eines modernen Campus ein starkes Zukunftssignal setze. Ebenso positiv bewertete er die Entscheidung der Firma Rosenthal, den Produktionsstandort Selb weiter auszubauen. Gleichzeitig verschwieg er nicht die Unsicherheiten: Die angekündigten Strukturveränderungen bei BHS tabletop seien mit Auswirkungen verbunden, die derzeit noch nicht abschließend abzuschätzen seien.

Als Beispiel für gelungene Zusammenarbeit nannte Pötzsch die Ansiedlung eines neuen Hagebaumarktes. Mit der Danhauser Firmengruppe sei ein Betreiber gefunden worden, der sein Angebot bereits im ersten Halbjahr 2026 starten wolle – ein Gewinn für die Nahversorgung und den Wirtschaftsstandort.

 

Mobilität, Energie und Digitalisierung

Ein sichtbares Zeichen für die Weiterentwicklung der Infrastruktur ist der neu fertiggestellte Zentrale Omnibusbahnhof mit Mobilitätshub. Die Verknüpfung verschiedener Verkehrsangebote mache dieses Projekt zu einem zukunftsweisenden Leuchtturm mit moderner Architektur.

Auch bei der Energieversorgung setzt Selb auf neue Konzepte. Gemeinsam mit dem Stadtwerk ESM entstehe die Energieplanung 2.0. Photovoltaik, Windkraft und Batteriespeicher sollen langfristig eine stabile Versorgung sichern. Parallel dazu läuft der Glasfaserausbau auf Hochtouren. Der Stadtrat habe beschlossen, alle privaten Haushalte anzuschließen. Eine Doppelstrategie erhöhe zudem die Versorgungssicherheit für Unternehmen.

 

Wohnen, Innenstadt und neue Lebensqualität

Deutlich machte Pötzsch, dass wirtschaftliche Stärke und Lebensqualität untrennbar zusammengehören. Moderner Wohnraum, Freizeitangebote, Radwege und Bauplätze seien entscheidend, um Arbeitnehmer, Familien und Arbeitgeber gleichermaßen anzusprechen.

Der Wohnungsbau habe in Selb spürbar an Dynamik gewonnen. Investitionen fließen unter anderem in Projekte am Bahnhof, in der ehemaligen Post, am Marktplatz, im früheren Bürgerpark sowie perspektivisch auf dem ehemaligen Bürgerbräu-Areal. Die Verdichtung des Wohnens in der Innenstadt schreite sichtbar voran.

Aktuell entstünden mehr als 50 neue Wohnungen. Als Vorzeigeprojekt nannte Pötzsch ein Bauvorhaben der Firma NWS aus Schwarzenbach/Saale. Besonders hervorgehoben wurde zudem eines der größten Wohnbauprojekte der letzten Jahrzehnte, das zugleich Platz für die 2modernste Stadtbücherei des Landkreises schafft. Die positive Entwicklung zeige Wirkung: Im vergangenen Jahr durfte Selb mehr als 600 Neubürger begrüßen.

 

Gastronomie, Stadtleben und Masterplan Innenstadt

Auch die Innenstadt selbst verändere sich spürbar. Das gastronomische Angebot habe sich insbesondere 2025 stark erweitert. Neue Betriebe wie Jaylo’s, HeyBuddies, Zum Sandner oder das Boutique-Hotel mit Café der Familie Bäsler seien hinzugekommen. Ergänzt werde dies durch neue Konzepte wie das geplante Burger-Restaurant im Hallenbad oder ein türkisches Speiselokal in der Schillerstraße. Insgesamt spiegelten 136 Gewerbeanmeldungen diese Dynamik wider.

Grundlage vieler Maßnahmen ist der Masterplan Innenstadt, der mit intensiver Bürgerbeteiligung entwickelt wurde. Die „Neue Mitte Selb“ als Verbindung zwischen Outlet-Handel und Innenstadt bleibe dabei ein zentrales Projekt.

 

Bildung, Betreuung und Gesundheit

Einen weiteren Schwerpunkt legte Pötzsch auf Bildung und Betreuung. Selb biete Ausbildungswege von der Grundschule bis zum Hochschulstudium. Der Ausbau um bis zu 250 zusätzliche Studienplätze sei beschlossen – Selb sei damit der Studienort im Landkreis Wunsiedel. Der Neubau des Hochschulcampus bezeichnete Pötzsch als Meilenstein der Stadtgeschichte. Bund, Land und Kommune investieren gemeinsam mehr als 25 Millionen Euro.

Auch die Kinderbetreuung werde weiter ausgebaut. Neue Kitas entstehen in Erkersreuth, auf der Kappel und am Jahnplatz, bestehende Einrichtungen wurden erweitert. Kurze Wege entlasteten Familien nachhaltig.

Die Gesundheitsversorgung werde zukunftsfähig aufgestellt. Der Wandel hin zur ambulanten Versorgung werde begleitet, eine D-Arzt-Stelle bleibe erhalten. Facharztangebote, Reha, Tagespflege und Intensivpflege würden weiterentwickelt, um die Versorgung langfristig zu sichern.

 

Kritik an finanziellen Rahmenbedingungen

Deutlich positionierte sich Pötzsch auch zur finanziellen Situation der Kommunen. Die ausbleibende Unterstützung durch Bund und Land bereite Sorgen. „Die Kommunen befinden sich derzeit in einer schwierigen Lage“, so Pötzsch und machte klar: „Insgesamt verlangt der Freistaat nun extreme Einsparungen bei den Freizeiteinrichtungen, den kulturellen Einrichtungen und der Unterstützung des Ehrenamtes. Zu den freiwilligen Leistungen, auf die nach Vorstellung des Freistaates vollständig verzichtet werden soll, zählt auch die Unterstützung der Vereine mit ihren wertvollen ehrenamtlichen Akteuren.“

Der Freistaat habe zuletzt erklärt, warum Selb keine Stabilisierungshilfen mehr erhalte. Gleichzeitig würden drastische Einsparungen bei freiwilligen Leistungen gefordert – darunter Kultur, Freizeit und Ehrenamt.

Pötzsch stellte dem entgegen, dass Selb in den vergangenen Jahren verantwortungsvoll gewirtschaftet habe. „Der Stadtrat der Stadt Selb hat in den zurückliegenden Jahren entsprechend der Haushaltsentwicklung verantwortungsvoll, bewusst und einstimmig gehandelt!“ Die Schulden seien deutlich reduziert worden, die Pro-Kopf-Verschuldung liege unter der der großen Städte des Landkreises und unter dem Landesdurchschnitt. Pflichtaufgaben seien stets erfüllt worden, insbesondere bei Kitas, Schulen und Feuerwehren. Auch bei Freizeiteinrichtungen habe man neue Wege beschritten, etwa durch Sponsorenmodelle oder ehrenamtliches Engagement.

„Dass unserer Stadt die Gewerbesteuer eingebrochen ist, steht vorrangig in Zusammenhang mit den investitionsfeindlichen Bedingungen insbesondere für die mittelständigen Unternehmen in Deutschland. Die Folgen müssen die Kommunen ausbaden“, so der Oberbürgermeister.

„Für uns ist das alles aber kein Grund, den Kopf hängen zu lassen“, betonte Pötzsch. Schon früher habe Selb schwierige Haushaltsphasen gemeinsam bewältigt.

 

Einladung zum Jubiläumsjahr

Zum Abschluss lud der Oberbürgermeister alle Bürgerinnen und Bürger ein, 600 Jahre Stadt Selb mitzufeiern. Ein ganzjähriger Veranstaltungskalender begleite das Jubiläum. Höhepunkt werde das große Festwochenende am 12. und 13. Juni mit einem Festakt auf dem Goldberg sein.

„Selb geht unbeirrt seinen Weg in die Zukunft“, sagte Pötzsch zum Ende seiner Rede. „Darauf bin ich stolz.“ Der langanhaltende Applaus im Rosenthal-Theater zeigte, dass diese Botschaft bei vielen Zuhörerinnen und Zuhörern ankam.

neujahr selb 0126selb-live.de – Michael Sporer

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