18.4.2026 – Mit der Grundsteinlegung für den neuen Designcampus auf dem ehemaligen Gelände der „Hutschenreuther B“ ist am Samstagvormittag ein zentrales Zukunftsprojekt für die gesamte Region sichtbar in die nächste Phase eingetreten. Im Beisein des bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder wurde damit ein Vorhaben gewürdigt, das gleichermaßen Strukturwandel, Bildungsentwicklung und regionale Identität miteinander verbindet.
Vom Porzellanstandort zur Designschmiede
Wo einst Porzellanproduktion die wirtschaftliche Grundlage der Region bildete, entsteht nun ein modernes Zentrum für Produktdesign. Damit knüpft das Projekt an die industrielle Tradition an, führt diese jedoch in eine neue Zeit. Die Transformation von der Porzellan- zur Designregion wurde in den vergangenen Jahren gezielt vorangetrieben.
Landrat Peter Berek verwies in seiner Ansprache auf diese Entwicklungslinie. Die frühere Porzellan-Fachschule habe sich erfolgreich zu einer Ausbildungsstätte für Produktdesign gewandelt, deren Absolventinnen und Absolventen heute in unterschiedlichsten Branchen – von der Automobilindustrie bis hin zu internationalen Unternehmen – tätig seien. Um diese Erfolgsgeschichte fortzuschreiben, brauche es jedoch zeitgemäße Rahmenbedingungen. Genau hier setzt der Neubau an.
Lange Projektentwicklung
Die konkreten Planungen für den Designcampus gehen schon einige Jahre zurück. Bei einem zwischenzeitlichen Besuch in Selb im Jahr 2020 hatte Ministerpräsident Söder den Ausbau des Standorts angekündigt und betont, man wolle „den Turbo einlegen“. Auch wenn sich die Umsetzung länger hinzog als ursprünglich geplant, wurde das Vorhaben kontinuierlich weiterentwickelt.
Ein wesentlicher Punkt war dabei die finanzielle Neujustierung: Zwischenzeitlich drohten die Kosten deutlich anzusteigen. In einem gemeinsamen Kraftakt von Landkreis und Stadt wurde das Projekt jedoch überarbeitet und wieder auf einen tragfähigen Rahmen zurückgeführt.
Heute beläuft sich das Gesamtinvestitionsvolumen auf rund 27 Millionen Euro. Davon entfallen etwa 22 Millionen Euro auf das Gebäude selbst, ergänzt durch Kosten wie unter anderem für städtebauliche Maßnahmen im Umfeld. Der Freistaat Bayern beteiligt sich maßgeblich über Mittel der Hightech-Agenda sowie weitere Förderprogramme.
Architektur und Ausstattung des Designcampus
Auf einer Grundstücksfläche von rund 20.000 Quadratmetern entsteht ein modernes Designstudio mit einer Nutzfläche von etwa 2.400 Quadratmetern. Geplant sind lichtdurchflutete Ateliers, großflächige Werkstätten und hochmoderne Technikbereiche.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Verbindung von digitaler und analoger Arbeit: Neben klassischen Werkstätten werden CAD-Räume, computergestützte Designarbeitsplätze sowie spezialisierte Maschinen – etwa ein Sechsachs-Fräsroboter – integriert. Zudem werden Möglichkeiten geschaffen, Modelle in Originalgröße (1:1) zu entwickeln und zu testen.
Künftig sollen hier rund 240 bis 250 Schülerinnen und Schüler sowie Studierende arbeiten und lernen. Neben der Berufsfachschule für Produktdesign wird auch die Kooperation mit der Hochschule Hof weiter ausgebaut, insbesondere im Studiengang Design und Mobilität sowie im Bereich KI-gestütztes Design.
Bedeutung für Bildung und Fachkräfteentwicklung
Aus Sicht der Bildungseinrichtungen markiert der Neubau einen entscheidenden Schritt. Schulleiterin Dr. Grit Mende und Prof. Dietmar Wolff von der Hochschule Hof betonten die wachsenden Anforderungen durch Digitalisierung und technologische Transformation. Moderne Infrastruktur sei notwendig, um Theorie und Praxis weiterhin eng zu verzahnen und junge Fachkräfte optimal auszubilden.
Auch wurde die Bedeutung gemeinsamer Lern- und Arbeitsräume hervorgehoben. Gerade in einer zunehmend digitalen Welt bleibe das physische Erleben, das Entwickeln und Testen von Produkten sowie der direkte Austausch unverzichtbar. Der Campus soll daher nicht nur Ausbildungsstätte, sondern auch Begegnungsraum für Studierende, Lehrende und Unternehmen sein.
Impuls für Region und Wirtschaft
Ministerpräsident Söder ordnete das Projekt in einen größeren Zusammenhang ein: Bayern setze bewusst auf Innovation statt auf dauerhafte Subvention traditioneller Industrien. Gerade Regionen mit strukturellem Wandel würden durch gezielte Investitionen in Bildung und Technologie gestärkt.
Der Designcampus sei dabei ein Beispiel für diese Strategie: Hier entstehe ein Ort, an dem Gestaltung, Technik und industrielle Anwendung zusammengeführt werden. Produktdesign spiele heute eine zentrale Rolle – von Automobilen bis hin zu Hightech-Produkten – und sei ein entscheidender Wettbewerbsfaktor.
Zugleich soll der Campus langfristig wirtschaftliche Effekte entfalten. Erwartet werden neue Kooperationen mit Unternehmen, die Ansiedlung weiterer Betriebe sowie die Entstehung von Start-ups im Umfeld der Einrichtung.
Bedeutung für die Stadt Selb
Für Selbs Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch ist das Projekt ein Meilenstein in der Stadtentwicklung. Selb verstehe sich seit jeher als Stadt der Kreativen. Mit dem Designcampus werde diese Tradition nicht nur fortgeführt, sondern gezielt ausgebaut.
Die Stadt positioniert sich damit als Bildungsstandort mit durchgängigen Angeboten – von der schulischen Ausbildung bis hin zum Hochschulstudium. Gleichzeitig wird die Attraktivität für junge Menschen erhöht, die in der Region eine Perspektive finden sollen.
Signalwirkung über die Region hinaus
Mit der symbolischen Grundsteinlegung samt dem Einbinden einer Zeitkapsel wurde ein deutliches Signal gesetzt: Der Standort Selb und der Landkreis Wunsiedel setzen auf Zukunft durch Bildung, Innovation und Kreativität. Der Designcampus steht dabei exemplarisch für den gelungenen Strukturwandel – weg von klassischen Industrien hin zu wissens- und designorientierten Branchen. Schon jetzt gilt der Campus als eines der bedeutendsten Bildungs- und Entwicklungsprojekte in Hochfranken und hat mit Strahlkraft weit über die Region hinaus.
selb-live.de – Michael Sporer



