13.2.2026 – Offensichtlich wacht der Gesetzgeber jetzt auf, obwohl schon seit vielen Jahren bekannt ist, dass die Elektroschrottberge ein nicht mehr hinzunehmendes Ausmaß erreicht haben. Jeder Deutsche verursacht einer EU-statistischen Erhebung aus dem Jahr 2023 zufolge jährlich etwa zehn bis elf Kilogramm Elektroschrott. Und woraus resultiert das? Die Elektrogeräte werden von den Firmen bewusst so hergestellt, dass sie nicht oder nur unter erheblichem Zeitaufwand repariert werden können.
Das hält natürlich so manchen Mitbürger davon ab, an eine Reparatur zu denken, weil er die Kosten scheut, und so kommt es, dass man das Gerät wegschmeißt und ein neues kauft: Die Schrottberge werden immer höher. Und weil 78 Prozent der Deutschen wünschen, dass der Gesetzgeber endlich verlangt, dass es einfacher wird, Elektrogeräte reparieren zu lassen, wird jetzt die Bundesjustizministerin Stefanie Hubig tätig und hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, um ein Recht auf Reparatur einzuführen. Hersteller sollen künftig verpflichtet werden, ihre Produkte „während der Lebensdauer“ zu einem angemessenen Preis zu reparieren und die Geräte so herzustellen, dass sie überhaupt reparierbar sind.
Schon vor acht Jahren hat sich Gerhard Bock, der stellvertretende Vorsitzende des Seniorenbeirats der Stadt Selb, Gedanken über dieses Problem gemacht und überlegt, wie man den Mitmenschen der Region diesbezüglich helfen könnte. Er erkundigte sich bei verschiedenen Städten, ob man in dieser Richtung schon Erkenntnisse gewonnen hat, und nachdem er auf seine Anfragen durchaus positive Rückmeldungen erhielt, entschloss er sich, auch in Selb eine Möglichkeit zu schaffen, Elektro- und sonstige Kleingeräte kostenlos zu reparieren. Und so gründete er im stadteigenen JAM ein „Reparatur-Café“. Der Name wurde wegen des Wiedererkennungswertes ähnlicher Einrichtungen anderer Städte übernommen.
Allerdings war die ursprüngliche Absicht, die „Kunden“ bis zur Reparatur ihres abgegebenen defekten Geräts bei Kaffee und Kuchen im angrenzenden Kunst- und Kulturcafé im Familienzentrum (FAM) warten zu lassen und damit dem Namen „Reparatur-Café“ gerecht zu werden, nicht zu verwirklichen, weil die Reparaturen meist recht zeitintensiv sind. Die Geräte müssen von den ehrenamtlichen Fachleuten zur Reparatur in der Regel mit nach Hause genommen werden.
Seit der Gründung wurden im Reparatur-Café ca. 2.400 defekte Geräte vom Staubsauger über elektrische Zahnbürsten bis hin zu Bohrhämmern, Rasenmähern, Kleinmöbeln, Spielsachen und anderem entgegengenommen, wovon ca. 70 Prozent repariert werden konnten. Eine Erfolgsquote, die sich sehen lassen kann und auf die die ehrenamtlichen Reparateure schon ein bisschen stolz sind.
Derzeit sind im Reparatur-Café zwei Elektromeister und vier Elektroniker im unermüdlichen Einsatz, deren ehrenamtliches Engagement umso höher zu schätzen ist, kommen sie doch aus Marktredwitz, Rehau, Kirchenlamitz, Thierstein, Schönwald und Silberbach und nehmen die jeweilige Fahrt an den Öffnungstagen in Kauf, ohne dafür eine Entschädigung zu bekommen.
„Die Welt können wir nicht retten“, so Gerd Bock, der Gründer und Organisator des Rep-Cafés, „aber mit diesem Angebot des Seniorenbeirats der Stadt Selb können wir vielen Mitmenschen helfen, ihr teilweise liebgewordenes Gerät weiter zu verwenden, und alle Reparaturen sind kostenlos“.
Auf dem Foto von links: Manfred Fraas (Elektromeister), Wolfgang Keil (Elektroniker), Gerhard Bock (Gründer und Organisator Reparaturcafé), Robert Jobst (Dipl-Ing. Elektrotechnik), Klaus Kolb (Elektroniker), Dany Quahs (Elektroniker)


