29.10.2026 - Die Zahl der polizeilich registrierten Straftaten in Selb ist im Jahr 2025 deutlich zurückgegangen. Gleichzeitig konnte die Polizei ihre Aufklärungsquote erheblich steigern. Das geht aus dem aktuellen Sicherheitsbericht der Polizeiinspektion Marktredwitz hervor, der in der jüngsten Sitzung des Selber Stadtrats vorgestellt wurde.
Der seit September amtierende Leiter der Polizeiinspektion Marktredwitz, Kriminaloberkommissar Maximilian Prechtl, stellte sich zunächst dem Gremium vor. Die statistischen Ergebnisse erläuterte Polizeioberkommissar Tobias Fleischmann, der bei der Inspektion für die Auswertung der Kriminalitätszahlen zuständig ist.
Prechtl betonte eingangs, dass Sicherheit nicht allein anhand statistischer Daten beurteilt werden könne. Neben der objektiven Sicherheitslage spiele das persönliche Sicherheitsgefühl der Bürger eine entscheidende Rolle. Beide Aspekte seien für die Polizeiarbeit wichtig. Gerade deshalb wolle die Polizei mit der Vorstellung der Zahlen zu einer sachlichen Einordnung der Sicherheitslage beitragen.
1.162 Straftaten in Selb registriert
Für das Stadtgebiet Selb weist die Polizeiliche Kriminalstatistik im Jahr 2025 insgesamt 1.162 Straftaten aus. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Rückgang um 9,2 Prozent. Im Jahr 2024 waren noch 1.280 Fälle erfasst worden.
Besonders deutlich fiel die Verbesserung bei der Aufklärungsquote aus. Während 2024 noch 66,3 Prozent der registrierten Straftaten aufgeklärt wurden, waren es 2025 insgesamt 78,3 Prozent. Das entspricht einem Anstieg um zwölf Prozentpunkte.
Nach Angaben Fleischmanns war 2024 nach den Jahren der Corona-Pandemie ein besonders deutlicher Anstieg der Fallzahlen zu beobachten gewesen. Im aktuellen Berichtsjahr habe sich die Situation wieder entspannt.
Auch im Vergleich mit dem gesamten Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Marktredwitz fällt die Entwicklung in Selb positiv aus. Während die Zahl der Straftaten im gesamten Inspektionsbereich mit 2.955 Fällen nahezu unverändert blieb, ging sie im Stadtgebiet Selb spürbar zurück.
Weniger Diebstähle und Rohheitsdelikte
Ein wesentlicher Anteil des Rückgangs entfällt auf die Eigentumskriminalität. Insgesamt wurden in Selb 296 Diebstahlsdelikte registriert, nachdem es im Vorjahr noch 429 gewesen waren.
Auch bei den sogenannten Rohheitsdelikten, zu denen unter anderem Körperverletzungen und Straftaten gegen die persönliche Freiheit gehören, verzeichnete die Polizei einen Rückgang. Ihre Zahl verringerte sich von 186 auf 142.
Die Straßenkriminalität, die insbesondere für das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung von Bedeutung ist, ging ebenfalls zurück. Hier wurden 153 Fälle registriert, zehn weniger als im Vorjahr. Unter diesen Begriff fallen verschiedene Straftaten, die im öffentlichen Raum oder im Zusammenhang mit öffentlichen Verkehrsmitteln begangen werden.
Bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten blieb die Entwicklung dagegen nahezu unverändert. Die Polizei erfasste 104 Fälle gegenüber 103 im Vorjahr. Die Zahl der Rauschgiftdelikte stieg leicht von 179 auf 183.
Einen Anstieg gab es auch bei den Sachbeschädigungen. Hier erhöhte sich die Zahl der registrierten Fälle von 119 auf 142.
Wohnungseinbrüche häufiger aufgeklärt als im oberfränkischen Durchschnitt
Einen weiteren Schwerpunkt des Berichts bildete die Aufklärung von Diebstahlsdelikten. Bei den insgesamt 296 Diebstählen in Selb erreichte die Polizei eine Aufklärungsquote von 49,7 Prozent. Sie lag damit nahezu auf dem oberfränkischen Vergleichswert von 49,8 Prozent.
Bei den 134 schweren Diebstählen betrug die Aufklärungsquote 35,8 Prozent und lag damit leicht über dem oberfränkischen Wert von 34,9 Prozent.
Besonders auffällig waren die Ergebnisse bei Wohnungseinbrüchen. Von 16 registrierten Fällen konnten 56,3 Prozent aufgeklärt werden. Oberfrankenweit lag die Quote lediglich bei 31,1 Prozent.
Auch beim Fahrraddiebstahl schnitt Selb besser ab als der oberfränkische Durchschnitt. Bei 25 Fällen betrug die Aufklärungsquote 36 Prozent gegenüber 21,4 Prozent in Oberfranken.
Anders stellte sich die Situation bei Ladendiebstählen dar. Von 79 Fällen wurden 78,5 Prozent aufgeklärt. Der oberfränkische Vergleichswert lag mit 91,1 Prozent deutlich höher.
Einbruchsserien in Erkersreuth beschäftigen den Stadtrat
In der anschließenden Aussprache griff Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch die Frage auf, wie die Sicherheitslage in Selb insgesamt zu bewerten sei. Hintergrund seien unter anderem Sorgen aus der Bevölkerung, die bereits bei einer Bürgerversammlung angesprochen worden waren.
Insbesondere die jüngsten Vorfälle in Erkersreuth hätten viele Menschen beschäftigt und das Sicherheitsgefühl beeinträchtigt.
Prechtl erklärte, dass die statistischen Zahlen keinen Hinweis darauf lieferten, dass Selb im Vergleich mit anderen Kommunen des Landkreises eine besonders problematische Sicherheitslage aufweise. Aktuell seien keine entsprechenden Kriminalitätsschwerpunkte erkennbar. Zugleich räumte er ein, dass einzelne Vorfälle oder zeitweise auftretende Deliktsserien das persönliche Sicherheitsempfinden erheblich beeinflussen könnten.
Zu den Ermittlungen im Zusammenhang mit den Einbruchsserien berichtete der Inspektionsleiter von mehreren Erfolgen. Einer Tätergruppierung würden insgesamt 64 Straftaten zur Last gelegt. Diese seien bereits angeklagt, eine gerichtliche Entscheidung stehe allerdings noch aus.
Darüber hinaus habe es weitere Festnahmen gegeben. Unter anderem sei ein Tatverdächtiger im Zusammenhang mit mehreren Kupferdiebstählen festgenommen worden und befinde sich in Untersuchungshaft. Auch in einem weiteren Diebstahlsverfahren sei eine Festnahme erfolgt.
Zu Einzelheiten wollte sich Prechtl wegen laufender Ermittlungen nicht äußern. Seit den Festnahmen sei jedoch eine Beruhigung der Situation festzustellen. Die Polizei beobachte die Entwicklung weiterhin aufmerksam und führe tägliche Lagebesprechungen durch.
Polizei setzt auf Prävention und Hinweise aus der Bevölkerung
Auf die Frage des Oberbürgermeisters, wie sich vergleichbare Einbruchsserien künftig verhindern ließen, verwies Prechtl auf verschiedene Möglichkeiten der Prävention.
Neben verstärkter Polizeipräsenz und konsequenter Ermittlungsarbeit könnten auch private Sicherheitsmaßnahmen helfen. Dazu gehörten beispielsweise besser gesicherte Fenster und Türen sowie geeignete Überwachungstechnik. Für entsprechende Beratungen stünden Fachleute der Polizei zur Verfügung.
Zugleich verwies der Inspektionsleiter auf die besondere geografische Lage der Region an der tschechischen Grenze. Eigentumskriminalität werde deshalb auch künftig eine Herausforderung bleiben.
Wichtig sei vor allem die Mithilfe der Bevölkerung. Verdächtige Beobachtungen sollten möglichst frühzeitig der Polizei gemeldet werden. Solche Hinweise könnten entscheidend dazu beitragen, Täter zu ermitteln und weitere Straftaten zu verhindern.
Diskussion über Besetzung der Polizeiwache Selb
Ein weiterer Schwerpunkt der Stadtratsdiskussion war die personelle Ausstattung und Erreichbarkeit der Polizei in Selb.
Auf entsprechende Fragen aus dem Gremium erläuterte Prechtl, dass die Polizeiwache Selb derzeit täglich von 8 bis 18 Uhr besetzt sei. Zur regulären personellen Ausstattung gehörten ein Polizeibeamter, zwei Ermittler und eine Polizeiangestellte.
Außerhalb dieser Zeiten sei die Wache nicht regulär besetzt. Über eine Klingel bestehe jedoch eine Verbindung zum Dienstgruppenleiter der Polizeiinspektion Marktredwitz. Eingehende Anliegen würden dort entgegengenommen und je nach Sachlage bearbeitet. Für den nördlichen Dienstbereich werde zudem eine Streifenbesatzung eingeplant.
Prechtl bestätigte außerdem, dass Bürger für die Bearbeitung von Ermittlungsverfahren nicht grundsätzlich nach Marktredwitz fahren müssten. Entsprechende Vorgänge könnten weiterhin in Selb bearbeitet werden.
Aus dem Stadtrat wurde auch die Frage aufgeworfen, weshalb es insbesondere nachts gelegentlich länger dauere, bis eine Polizeistreife nach einem Notruf eintreffe.
Der Inspektionsleiter erklärte, dass die Reaktionszeit von der jeweiligen Einsatzlage und der Dringlichkeit eines Vorfalls abhänge. Notrufe würden bewertet und priorisiert. Bei mehreren gleichzeitigen Einsätzen könne es daher vorkommen, dass weniger dringliche Anliegen zunächst zurückgestellt werden müssten.
Eine pauschale Aussage zur Zahl der nachts verfügbaren Polizeibeamten sei nicht möglich, da diese von Dienstplänen und der jeweiligen Lage abhänge. Bei Bedarf könnten auch Kräfte anderer Polizeidienststellen hinzugezogen werden.
Stadträte sprechen Bürgernähe und Zusammenarbeit an
In der Diskussion wurde zudem die Zusammenarbeit mit der Bundespolizei und der GPI angesprochen. Prechtl berichtete, dass sich insbesondere die technischen Möglichkeiten der Kommunikation zwischen den Einsatzzentralen verbessert hätten. Dadurch könnten die verschiedenen Polizeidienststellen bei Bedarf schneller zusammenarbeiten. Gleichwohl könne es im Einzelfall auch zu Schwierigkeiten kommen.
Timo Kluth von den Aktiven Bürgern Selb begrüßte die Entwicklung der Kriminalitätszahlen und insbesondere die gestiegene Aufklärungsquote. Er hob hervor, wie wichtig neben der objektiven Sicherheitslage auch die Bürgernähe der Polizei sei.
Weitere Wortmeldungen beschäftigten sich mit den künftigen Herausforderungen der Polizeiarbeit. Prechtl verwies dabei insbesondere auf die zunehmende Bedeutung der Cyberkriminalität. Bei der Eigentumskriminalität seien aufgrund der Grenzlage weiterhin besondere Anstrengungen erforderlich.
Zur Verbesserung der Bürgernähe wolle die Polizei vor allem auf einen offenen Umgang mit den Anliegen und Sorgen der Bevölkerung setzen. Dazu gehörten persönliche Gespräche, Präventionsveranstaltungen und eine verstärkte Präsenz bei öffentlichen Anlässen.
Rund 2.500 Polizeieinsätze im Stadtgebiet
Neben der Kriminalitätsstatistik stellte Fleischmann auch Zahlen zur allgemeinen Einsatzbelastung vor.
Im gesamten Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Marktredwitz wurden 2025 mehr als 9.400 polizeiliche Vorgänge bearbeitet. Davon entfielen 3.333 auf das Stadtgebiet Selb.
Von insgesamt 7.135 Einsätzen im Inspektionsbereich fanden knapp 2.500 in Selb statt.
Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Arbeit der Polizei weit über die in der Kriminalitätsstatistik erfassten Straftaten hinausgeht. Neben der Strafverfolgung gehören zahlreiche weitere Einsätze und Hilfeleistungen zum polizeilichen Alltag.
Positive Bilanz, aber weiterhin Handlungsbedarf
Insgesamt zeichnet der Sicherheitsbericht für Selb eine positive Entwicklung. Die Zahl der registrierten Straftaten ist gesunken, während deutlich mehr Fälle aufgeklärt werden konnten. Besonders bei Diebstählen und Wohnungseinbrüchen zeigen sich Verbesserungen.
Gleichzeitig machten die Fragen aus dem Stadtrat deutlich, dass die statistische Entwicklung nicht sämtliche Sorgen der Bevölkerung ausräumt. Insbesondere Einbruchsserien, die Erreichbarkeit der Polizei und mögliche Wartezeiten bei Einsätzen bleiben Themen, die Bürger und Kommunalpolitik beschäftigen.
Die Polizei will deshalb weiterhin einen Schwerpunkt auf die Bekämpfung der Eigentums- und Straßenkriminalität legen, die Zusammenarbeit mit anderen Sicherheitsbehörden stärken und den direkten Kontakt zur Bevölkerung ausbauen.
Oberbürgermeister Pötzsch dankte den Vertretern der Polizeiinspektion Marktredwitz abschließend für ihre Arbeit und die ausführliche Beantwortung der Fragen aus dem Stadtrat.



