13.2.2026 – „Absolut beeindruckend!“ – „Zeigt ihr das auch nochmal in einem größeren Rahmen?“ – „Was man aus dem Thema 600 Jahre Stadt Selb alles so herausholen kann, unglaublich!“ – „Die Produkte sind von erstaunlicher Qualität!“ Solche und ähnliche Reaktionen hörte man am laufenden Band beim diesjährigen Präsentationsabend der Wissenschaftswoche am WGG.
Eine solche Woche ist bayernweit Pflicht in der Jahrgangsstufe 11; sie soll den Schülerinnen und Schülern in kleinen, begrenzten Projekten, die einem gemeinsamen Thema zugeordnet sind, das Kennenlernen und Ausprobieren erster wissenschaftlicher Arbeitsmethoden erlauben. Dabei können sie aus dem Angebot aller Fächer wählen; das jeweilige fachliche Projektthema schlägt die zuständige Fachlehrkraft vor.
Dieses Jahr war es Ehrensache, dass die Wissenschaftswoche am WGG unter das Motto „600 Jahre Stadt Selb“ gestellt wurde, und so erklärt es sich auch, warum zum abschließenden Präsentationsabend diesmal nicht nur die gesamte Schulfamilie, sondern auch die breite Öffentlichkeit eingeladen war. Die Interessierten kamen tatsächlich in Scharen ins von der Oberstufenkoordinatorin Anke Saalfrank einladend geschmückte Atrium der Schule. Dort war eine teils interaktive Ausstellung aufgebaut, in der die Schülerinnen und Schüler den Besuchern ihre Projekte vorstellten und gerne Rede und Antwort zu vertiefenden Fragen stellten.
Ausnahmslos jedes Projekt fand großen Anklang; die Palette war breit gestreut: Im Fach Deutsch hatten einige Schülerinnen einen Podcast aufgenommen, in dem Bewohner des Paul-Gerhard-Hauses als Zeitzeugen zur Geschichte nach dem 2. Weltkrieg zu Wort kommen. Mit den politischen Verhältnissen in Selb zwischen 1930 bis 1946, also insbesondere mit der Frage, welche Auswirkungen die NS-Zeit hier hatte, beschäftigte sich die Projektgruppe aus dem Fach Geschichte. Noch viel weiter zurück ging das Projekt der evangelischen Religionslehre: Es forschte über die Ursprünge des Selber Wiesenfestes und fand die pädagogischen Überlegungen des Gründers, Diakon F. W. Hagen, heraus, die aus diesem Fest ein bis heute in seiner besonderen Ausprägung weit und breit einzigartiges Ereignis machen. Einen Querschnitt durch die Zeit bildete das Geographie-Projekt ab: Dort wurde die Entwicklung der Stadtgrenzen im Laufe der Jahrhunderte veranschaulicht. Dabei kam auch der nie verwirklichte Stadtplan von Walter Gropius zur Sprache. Inwiefern Selb ein typisches Beispiel für den tiefgreifenden Strukturwandel traditioneller deutscher Industriestädte ist, wurde in Wirtschaft und Recht von einer Schülergruppe erforscht. Stand dabei vor allem die Porzellanindustrie im Mittelpunkt, so beschäftigte man sich in Chemie mit der seit dem Mittelalter und bis heute in Selb verankerten Textilindustrie und der Frage, durch welche modernen Farbstoffe die traditionelle Beizenfärbung des Mittelalters ersetzt wurde und welche Begleiterscheinungen sie haben. Noch ein weiteres Projekt widmete sich der mehr als sechs Jahrhunderte währenden Geschichte Selbs, die ja schon vor der Stadterhebung begann: Drei Mädchen arbeiteten prägende Phasen und Ereignisse heraus, stellten diese in einem Erklärfilm mit Playmobilfiguren nach und sprachen den Text auf Französisch ein – Zielgruppe sind künftige Schüleraustauschpartner, aber natürlich auch generell die Partnerstadt Beaucouzé.
Mehr in der jüngsten Geschichte und der Aktualität waren andere Projekte verankert: In Sport beschäftigte man sich mit der Geschichte des in Selb auffallend populären Eishockeys. Die Informatik-Projektgruppe erstellte Photogramme, d. h. digitale 3D-Modelle markanter Objekte in Selb. Die Mathematik-Fans konzipierten eine Art Orientierungslauf durch Selb: Zu verschiedenen Stationen in der Stadt entwickelten sie diverse Mathematikaufgaben wie die Berechnung von Flächen, die Bestimmung von Formen o. ä. und programmierten diese in der App MathTrail. Unter dem Motto „SELBstbewusst – wir sind stolz darauf“ schließlich holte eine Schülergruppe in der Kunst Statements zum Thema Heimatliebe ein und erarbeitete neue Ideen für das Stadtmarketing und das Kommunikationsdesign. Der besondere Clou war, dass diese Projektgruppe zudem eine Hymne auf Selb gedichtet und per KI vertont hatte. Noch am Präsentationsabend wurden erste Gespräche geführt, die in die Richtung deuten, dass eine bekannte Selber Gruppe diesen eingängigen Song demnächst in ihr Repertoire übernehmen wird...
Ein ganzes Kaleidoskop an Aspekten zu Selb und seiner mehr als 600-jährigen Geschichte wurde hier also entwickelt. Den Auftakt zu der Wissenschaftswoche hatte ein Impulsvortrag des Historikers Dr. Adrian Roßner gebildet, der die eine oder andere Schülergruppe ganz besonders inspirierte. Die Lehrkräfte hatten sich im Vorfeld durchweg lohnende Projektideen einfallen lassen; zu den meisten Themen hätte noch viel länger gearbeitet werden können: Selb bietet so viele spannende, interessante Aspekte, und ausnahmslos jeder hatte hier Neues gelernt und erfahren! Die Ergebnisse, die die Schülerinnen und Schüler in einer für sie sehr intensiven Woche mit Engagement, Begeisterung, Kompetenz und oft mit viel Zeit- und Energieaufwand erarbeitet hatten, waren derart beeindruckend und von Interesse für die breite Öffentlichkeit und die Stadtgesellschaft ganz allgemein, dass schon am Präsentationsabend erste Anfragen für weitere Ausstellungen kamen. Diesen wird das WGG nach Möglichkeit gerne nachkommen; die Schulleitung ist bereits mit mehreren Veranstaltern im Gespräch.
selb-live.de – Presseinfo WGG Selb


