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wgg selb 022635.2.2026 - Was haben die Hohenzollern mit Selb zu tun? Stimmt es, dass die Stadt einmal unter französischer Herrschaft stand? Und haben wirklich Zwangsarbeiter in der Selber Porzellanindustrie Isolatoren für Vernichtungslager während der NS-Zeit hergestellt? Solche und viele andere Fragen zur Lokalgeschichte können die Elftklässlerinnen und Elftklässler des WGG nun kundig beantworten:

Denn in seinem Vortrag zur Stadtgeschichte von Selb gelang es dem Historiker Dr. Adrian Roßner mühelos, sein junges Publikum in den Bann zu schlagen. In einem wahren Parforceritt von der Steinzeit ersten Wanderungsbewegungen durch das Fichtelgebirge bis hin zur Gegenwart warf er Schlaglichter auf die Entwicklung von Selb von den frühesten Siedlungen bis hin zur Jetztzeit. Dabei erläuterte er die heute noch auffindbaren Spuren von „Turmhügeln“, die Reisenden Schutz bieten sollten und somit zu einer ersten koordinierten Besiedelung führten. Unter wechselnden Herrschaftsverhältnissen war die 1426 beurkundete Stadt vielfach von klimatischen und politischen Krisenzeiten, doch stets auch von wirtschaftlichem wie kulturellem Aufschwung durchdrungen. Den verheerenden Stadtbrand erlebten die Schüler dank KI-Simulation originaler Quellen quasi „live“ mit. Die Industrialisierung schuf Urbanität, dieser goldene Ära wurde jedoch jäh vom Ersten Weltkrieg ein Ende gesetzt und nach der „kommunistischen Revolution im Kleinen“ erstarkten auch in Selb die nationalsozialistischen Schergen.

Gleichermaßen hochkompetent und wissenschaftlich fundiert wie spannend und unterhaltsam präsentierte der Wissenschaftler eine Fülle an Informationen zur Geschichte von Selb, das in diesem Jahr 600 Jahre Stadtgeschichte feiert. Aus dem Anlass dieses Jubiläums steht auch die Wissenschaftswoche der Jahrgangsstufe 11 am WGG unter dem Motto „600 Jahre Stadt Selb“.

Zum Auftakt dieser Woche, in der die Schülerinnen und Schüler in kleinen Projektgruppen zu verschiedenen Fachfragen forschen und erste wissenschaftliche Methoden anzuwenden lernen, hatte man mit Dr. Adrian Roßner einen exzellenten Redner eingeladen, der seine Zuhörerschaft ausnahmslos begeisterte. Die stellvertretende Schulleiterin Dr. Christine Wlasak-Feik fasste die Reaktion des Publikums anschließend in Worte: „Dass dieser auch aus dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen bekannte Experte für Heimatgeschichte vor einigen Jahren von seinen Studierenden für den Preis für die beste akademische Lehre in Bayern nominiert wurde und diesen auch gewonnen hat, verwundert uns nicht: Ihr Vortrag hat uns alle von der ersten bis zur letzten Minute gefesselt!“ Dr. Roßner erläuterte in seinem Referat viele Zusammenhänge zwischen der Wirtschafts- und Sozialgeschichte, nahm Stellung zu Diskussionsfragen aus dem historischen Bereich, und immer wieder stellte er auch Bezüge zur Aktualität her, von der rückwärtsgewandten Tradwife-Bewegung über die Frage nach Zivilcourage bis hin zu Themen der Infrastruktur. Für die voller Aufmerksamkeit lauschenden Schülerinnen und Schüler ergab sich unversehens ein rundes Bild der Lokalhistorie vor dem Hintergrund der europäischen Geschichte. Gleichzeitig bekamen sie viele Anregungen, an denen sich einerseits die Projekte der Wissenschaftswoche aus den einzelnen Fächern, andererseits aber vielleicht auch künftige Forschungsvorhaben in anderem Rahmen anschließen können.

Der anschließende Wunsch aus der Lehrerschaft war einhellig: Dr. Roßner möge diesen hochinteressanten Vortrag doch unbedingt auch vor der Mittelstufe halten. Die Schulleitung plant zudem, Dr. Roßner für einen öffentlichen Vortrag in ihrer Reihe „Alumni – früher Schüler, heute Experten“ einzuladen. Immerhin hat der Historiker, der heute im Auftrag des Wissenschaftsministeriums als Projektkoordinator für international exzellente wissenschaftliche Projekte zu Künstlicher Intelligenz am Kloster Speinshart arbeitet, Abitur an einem benachbarten Gymnasium abgelegt. Er ist also „fast“ ein Alumnus…, auf jeden Fall aber ein Experte, dem es sich zuzuhören auf jeden Fall lohnt.

wgg selb 02263selb-live.de – Presseinfo WGG Selb 

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