8.10.2026 - Im Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Tourismus berichteten Wirtschaftsförderer Rainer Rädel und Nadja Hochmuth den Stadträten aus dem Bereich Stadtmarketing und Tourismus über aktuelle Zahlen, Projekte und Veranstaltungen.
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen bleiben schwierig
Zum Auftakt ordnete Wirtschaftsförderer Rainer Rädel die aktuellen Zahlen vor dem Hintergrund der weiterhin angespannten Wirtschaftslage ein. Bundesweit seien Standortschließungen, zurückgestellte Investitionen und Produktionsverlagerungen zu beobachten. Für einen Industriestandort wie Selb sei diese Entwicklung ein Warnsignal. Die Kommune könne Unternehmen unterstützen, Verfahren begleiten, Kontakte herstellen und Flächen anbieten. Wesentliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen würden jedoch auf Bundes-, Landes- und europäischer Ebene gesetzt.
Auch auf dem Arbeitsmarkt ist die schwache Konjunktur zu spüren. Im August lag die Arbeitslosenquote in Selb bei 6,6 Prozent nach 6,3 Prozent im Juli. Im September ging sie nach Angaben Rädels leicht auf 6,5 Prozent zurück. Die längerfristige Entwicklung zeigt: Nach zweistelligen Werten Mitte der 2000er-Jahre war die Quote deutlich gesunken, zuletzt aber wieder gestiegen.
100 Gewerbeanmeldungen und 1.407 Unternehmen
Positiv fällt die Entwicklung bei den Gewerbemeldungen aus. Vom Jahresbeginn bis zum 15. September wurden in Selb 100 Gewerbeanmeldungen und 67 Gewerbeabmeldungen registriert. Die Unternehmensdatenbank der Wirtschaftsförderung weist zum selben Stichtag 1.407 Unternehmen aus. Vereine, Stiftungen, gemeinnützige Gesellschaften und freie Berufe sind darin teilweise nicht enthalten, sodass die tatsächliche Zahl wirtschaftlich beziehungsweise freiberuflich Tätiger höher liegt.
Auf Nachfrage aus dem Ausschuss erklärte Rädel, dass sich die Neuanmeldungen auf unterschiedliche Bereiche verteilen. Auffällig seien unter anderem neuere Tätigkeitsfelder wie Content Creation, Marketing und Webdienstleistungen. Daneben gebe es klassische Dienstleistungen, Gastronomie und weitere Formen der Selbstständigkeit.
Dass sich in Selb wirtschaftlich einiges bewegt, verdeutlichte auch ein Rückblick auf die vergangenen Monate. Auf zahlreiche Neueröffnungen, Neugründungen, Geschäftsübernahmen und Jubiläen konnte verwiesen werden.
Von März bis Mitte September betreute die Wirtschaftsförderung insgesamt 102 Vorgänge. 58 davon entfielen auf Unternehmenskontakte, darunter 41 Firmenbesuche und zwölf Fördermittelberatungen. Neun Vorgänge betrafen Gründungsbegleitungen. Hinzu kamen 35 Fälle aus dem Immobilien- und Flächenservice, davon 23 Geschäftsflächenvermittlungen und zwölf Gewerbeflächen.
Dabei erreichen Selb auch regelmäßig Ansiedlungsanfragen über Invest in Bavaria. Im Ausschuss wurde unter anderem nach Hotelprojekten und Rechenzentren gefragt. Nach Rädels Angaben gibt es derzeit zahlreiche Anfragen von Projektentwicklern, die zunächst Standorte prüfen. Bei Rechenzentren seien insbesondere Netzanschluss, Leistungsbedarf und weitere technische Voraussetzungen sehr individuell zu betrachten. Konkreter sei dagegen mittlerweile das Interesse eines Hotelbetreibers. Das Thema könne demnach zeitnah auch den Stadtrat beschäftigen.
Gewerbeskulpturenpark wird erneuert
Weiter beschäftigt die Wirtschaftsförderung die Überarbeitung des inzwischen rund 20 Jahre alten Gewerbeskulpturenparks in der Schillerstraße. Die beteiligten Unternehmen hätten sich mit deutlicher Mehrheit für dessen Erhalt ausgesprochen. Die Firmen kümmern sich um ihre jeweiligen Skulpturen, während der Bauhof das Gelände und die Stelen überarbeitet. Sämtliche frei gewordenen Plätze konnten wieder vergeben werden.
Insgesamt beteiligen sich künftig 26 Unternehmen aus Handwerk, Handel, Dienstleistung, Gastronomie und Industrie.
Wirtschaftsförderung begleitet auch Tierheim-Neubau
Ein Beispiel dafür, dass Wirtschaftsförderung nicht ausschließlich klassische Unternehmensbetreuung bedeutet, ist für Rädel der Neubau des Selber Tierheims. Seit 2024 begleitet er den Tierschutzverein insbesondere bei Standortfragen und als Bindeglied zu verschiedenen Stellen der Stadtverwaltung.
Im Gewerbegebiet West 2 konnte schließlich ein Grundstück gefunden werden. Nach Grundstückskauf, Planung und Genehmigungsverfahren erfolgte am 2. Juli der Spatenstich.
Gewerbesteuer entwickelt sich besser als erwartet
Eine positive Nachricht gab es in der Diskussion aus dem Ausschuss auch mit Blick auf die städtischen Finanzen. Auf die Frage, ob die Gewerbesteuereinnahmen 2026 im Plan lägen, erklärte Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch, dass die Entwicklung derzeit besser als geplant aussehe. Konkrete Zahlen wollte er angesichts möglicher Schwankungen noch nicht nennen. Auch für den Jahresabschluss gehe man derzeit von einem besseren Ergebnis als ursprünglich geplant aus.
Tourismus: Mehr als 27.000 Übernachtungen bis Ende Juli
Im zweiten Teil der Sitzung berichtete Nadja Hochmuth über Stadtmarketing und Tourismus. 2025 wurden in Selb 46.311 Gästeübernachtungen registriert. Das war der höchste Wert in der vorgelegten Statistik seit 2019. Für 2026 lagen zum Zeitpunkt der Sitzung Zahlen bis Ende Juli vor: 27.270 Übernachtungen. Hochmuth rechnet damit, dass Selb im Gesamtjahr wieder die Marke von 40.000 überschreiten wird.
Neben Urlaubsgästen tragen Geschäftsreisende und derzeit auch zahlreiche auf Baustellen eingesetzte Beschäftigte zu den Übernachtungen bei. Im Ausschuss wurde zugleich darauf hingewiesen, dass die durchschnittliche Aufenthaltsdauer zuletzt leicht zurückgegangen ist. Als möglicher Ansatz wurde diskutiert, Veranstaltungen wie das Porzellinerfest noch stärker mit zusätzlichen Angeboten zu verbinden, um Gäste zu einem längeren Aufenthalt zu bewegen.
Wohnmobilstellplatz bleibt gefragt
Weiterhin gut angenommen wird der Wohnmobilstellplatz am Papiermühlweg. Für 2025 weist die Statistik 1.446 Wohnmobile, 3.447 Übernachtungen und 2.957 Ankünfte aus. Die Präsentation zeigt damit über mehrere Jahre eine steigende Entwicklung.
Der Platz verfügt regulär über zehn Stellplätze, ist bei Großveranstaltungen aber teilweise deutlich stärker belegt. Hochmuth hob insbesondere die zentrale Lage mit kurzem Weg in die Innenstadt und die direkte Anbindung an den Brückenradweg hervor.
Neue Stadtführungen kommen gut an
Neu aufgestellt wurden in diesem Jahr die Stadtführungen. Vier neue Stadtführer engagieren sich inzwischen, erstmals wurden während der Sommersaison neben Gruppenbuchungen auch feste öffentliche Termine angeboten. Das Angebot sei gut angenommen worden und habe auch Besucher aus der näheren Region nach Selb gezogen.
Besonders gefragt war ein von Gerd Bock ehrenamtlich angebotener Spaziergang zu früheren Selber Wirtshäusern. Aufgrund der großen Resonanz wurden mehrere Touren durchgeführt. Ein dazugehöriges Begleitheft soll künftig auch Interessierten zur Verfügung stehen, die nicht an einer Führung teilnehmen konnten.
Aus dem Ausschuss kam zudem die Anregung, stärker um Gäste aus Bad Elster zu werben. Insbesondere die dortigen Kliniken mit Patienten, die sich mehrere Wochen vor Ort aufhalten und am Wochenende Ausflugsmöglichkeiten suchen, könnten eine interessante Zielgruppe für Selb sein.
Jubiläumsjahr sorgt für zahlreiche Veranstaltungen
Einen breiten Raum nahm der Rückblick auf das Jubiläumsjahr „600 Jahre Selb“ ein. Neben dem großen Festwochenende am Goldberg gab es über das gesamte Jahr verteilt kleinere Formate. Besonders erfolgreich entwickelte sich die Reihe „600 Minuten Film“, bei der historische Aufnahmen aus privaten Beständen und Archiven gezeigt werden. Bis zum Zeitpunkt der Sitzung wurden dabei bereits 945 Besucherinnen und Besucher gezählt; weitere Termine folgen noch.
Hinzu kommt eine Vortragsreihe mit unterschiedlichen Themen zur Stadtgeschichte. Beim großen Jubiläumswochenende am Goldberg standen neben dem Festakt zahlreiche Angebote für Besucher auf dem Programm.
Auch etablierte Veranstaltungen wie Porzellinerfest, Weinfest und Funkelnacht zogen viele Besucher an. Beim Porzellinerfest sorgte in diesem Jahr unter anderem „Jochen der Elefant“ für Aufmerksamkeit in sozialen Netzwerken. Die Funzelnacht wurde mit einer langen Einkaufsnacht verbunden und setzte erneut auf zahlreiche echte Kerzen sowie Lichtinstallationen und eine Feuershow.
Weinfest auch 2027 – aber wohl wieder nur bis 22 Uhr
Diskussionsbedarf gab es zur Schlusszeit des Weinfestes am Grafenmühlweiher. Aus dem Ausschuss kam die Frage, ob die Veranstaltung künftig nicht bis 23 oder 24 Uhr dauern könne. Die gute Nachricht: Auch im kommenden Jahr soll es wieder ein Weinfest geben.
Nach aktuellem Stand werde allerdings erneut um 22 Uhr Schluss sein müssen. Hintergrund sind die nach 22 Uhr geltenden Immissionsschutzwerte und Beschwerden aus der Nachbarschaft. Für die diesjährige Veranstaltung hatte die Stadt eigens Messungen durchführen lassen. Die Grenzwerte seien eingehalten worden. Hoffnung besteht, falls sich aufgrund eines vom dortigen Gastronomiebetrieb angestrebten Gutachtens künftig andere genehmigungsrechtliche Möglichkeiten ergeben. Am Veranstaltungsort wolle die Stadt jedenfalls festhalten.
Grenzüberschreitendes Marketing und Fairtrade
Weitere Projekte reichten von der Einweihung des Richard-Rogler-Platzes bis zur Zusammenarbeit mit der tschechischen Nachbarstadt Aš. Im Rahmen des gemeinsamen strategischen Plans entstanden Marketingvideos und Flyer, die Freizeitangebote und Veranstaltungen auf beiden Seiten der Grenze präsentieren, darunter Radwege, Seen, Aussichtstürme und Feste.
Auch die erneute Zertifizierung Selbs als Fairtrade-Town wurde begleitet. Dazu fand unter anderem eine Filmveranstaltung mit Ausstellung und Informationen zu fair produzierten Textilien und Baumwolle statt.
Zum Abschluss ging es um die digitalen Informationsangebote der Stadt. Neben Facebook und Instagram setzt Selb seit Anfang des Jahres auch auf einen WhatsApp-Kanal. Dieser hatte zum Zeitpunkt der Ausschusssitzung 346 Abonnenten


