2.2.2016 – Mit feinen und edlen Werken aus der Barockzeit erfreuten am Samstag Dr. Wieland Meinhold und Mirjam Meinhold das Publikum beim Neujahrskonzert in Erkersreuth. Der Universitätsorganist
und die Opernsängerin vom Deutschen Nationaltheater Weimar und Sopranistin bilden gemeinsam das „Duo Vimaris“. Sie widmen sich vor allem der Barockmusik und bieten zu bestimmten Epochen und Komponisten Konzerte mit entsprechenden Formaten.
In Erkersreuth stand das Programm „Festlicher Barock – Musik von Georg Philipp Telemann“ auf dem Programm, wobei das Konzert auch Werke von Telemanns Freund Johann Sebastian Bach umfasste. Die Programmumgestaltung wurde nötig, nachdem Mirjam Meinhold an diesem Samstag aufgrund eines gesundheitlichen Handicaps nur die Sopranblockflöte und nicht die Altblockflöte bedienen konnte. Die rund 45 Zuhörer bekamen musikalischen Tafelspitz aus der Barockzeit geboten, dazu zählten ganz unterschiedliche Stücke – Instrumentalwerke für Orgel und Sopranblockflöte sowie für Orgel und Sopran.
Den Auftakt setzte Mirjam Meinhold mit der wunderschönen Aria „Gott lob, dass mein Erlöser lebt“ aus der gleichnamigen Telemann-Kantate für Sopran in Begleitung der Orgel. Schon hier wurde erkennbar, wie fein sich die schöne, wohlklingende, helle und strahlende Sopranstimme mit der Orgel verbinden kann. Dem folgte das Choralvorspiel „Erbarm dich mein, o Herre Gott“ von Johann Sebastian Bach. Hierbei agiert die Orgel zunächst verhalten. Dann aber entfaltet sich das Motiv regelrecht dramatisch und pathetisch mit rhythmisch-dumpfen Tönen, die regelrecht als Schicksalsschläge klopfend auftreten und sogar an Beethovens Fünfte Symphonie denken lassen.
Es folgten die bekannten und anrührenden Bach-Arien „Bist du bei mir“ und „Willst du dein Herz mir schenken“. Beides herzinnigste Stücke, die Gottvertrauen und Glaubensseligkeit in feinsten Tönen und Worten zum Ausdruck bringen, von Mirjam Meinhold sauber und souverän dargeboten und von Wieland Meinhold sensibel und weich begleitet und getragen.
Von Georg Philip Telemann erklangen dann die Fantasien d-Moll Nr. 2 und g-Moll Nr. 8 aus der Sammlung „Dreien Dutzend Clavier-Fantasien“ in der Bearbeitung für Orgel. Jeweils dreiteilig geben diese Fantasien Telemanns einen wunderbaren Eindruck von der vielfältigen Klangsprache der Orgel. Die Orgel äußert sich hier von flott, forte und majestätisch bis lyrisch und romantisch in vielen Sprachen. Und keine davon ist eine Fremdsprache, sondern die Orgel beherrscht sie alle, was auch an der gelungenen Interpretation Meinholds liegt, der die Orgel in allen Registern perfekt auslotet und zum Sprechen bringt.
Das zeigt sich auch bei den sechs Menuetten für Sopranblockflöte und Basso continuo Telemanns. Das Duo bietet hier feinste harmonische Wohlklänge an Orgel und Flöte. Der formschöne und stimmige Barock wird hier genauso hörbar wie manch ungeduldig-sprudelnde Klangfolgen. Beide Instrumente verbinden sich zu einer perfekten Symbiose und kommen aufgrund der hervorragenden Akustik der Kirche auch sehr gut zur Geltung – jedes für sich, parallel und doch in hervorragender Ergänzung. Die beiden Musiker agieren dabei höchst souverän.
Starke und schwere Motive, die in bereits in die bevorstehende Fastenzeit hineinreichten, waren dann bei den beiden Choralvorspielen Telemanns zu den berühmten Chorälen „Christus, der uns selig macht“ und „Christ lag in Todesbanden“ zu hören. Düster und getragen, trauervoll-würdig, sonor und souverän führt Meinhold hier an der Orgel vor, warum die Orgel gerade in der Barockzeit regelrecht zur zweiten evangelischen Kanzel in der Kirche wurde, die die Verkündigung begleitet und mitträgt.
In die fröhliche Komödie ging es dann mit der Aria „Voglio far, come fan l‘altre“ aus Telemanns Lustspiel „Pimpinone“. Leichtfüßig und ironisch, graziös und verspielt besingt hier ein höfisches Kammermädchen ihren Wunsch, selbst höfisch zu leben, Französisch zu sprechen und zu tanzen, und alles in aller Ehrbarkeit. Ein Traum, lustig und mit tänzelnden Tönen in Arienform dargeboten.
Nach der Bachschen Arie „Mein gläubig Herze frohlocke“ zeigte auch die Orgel selbst noch einmal bei der Ouvertüre Nr. V in Es-Dur eine regelrecht zu Streichen aufgelegte Orgel. Die abschließende Solokantate „Die Falschheit“ aus den „Moralischen Kantaten“ für Sopran führte noch einmal Telemanns Feinheiten vor, bevor die gewaltige „Toccata“ von Bach den musikalischen Spaziergang durch das Barock der Telemann-Zeit beschloss.
Das Publikum konnte ein abwechslungsreiches Barockkonzert erleben mit sehr unterschiedlichen Stücken und Klangfarben. Einmal mehr wurde deutlich, dass die barocke Musik aufregend viel mehr zu bieten hat als die sattsam bekannte Formenstrenge. Das „Duo Vimaris“ jedenfalls lässt den Barock lebendig werden. Das Publikum dankte mit viel Applaus.
selb-live.de – Presseinfo