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schalmei selb wiesenfest9.7.2026 – Erneut muss, wie bereits auf selb-live.de berichtet, der 1. Vogtländische Schalmeienzug Auerbach seine Teilnahme am Selber Wiesenfest kurzfristig absagen. Grund ist Personalmangel. Ein Problem, das längst nicht nur den Auerbacher Verein betrifft, sondern viele Spielmannszüge und Musikvereine zunehmend vor große Herausforderungen stellt.

Kaum erklingen die ersten Töne der Schalmeien, klatschen viele Besucher im Takt mit. Seit Jahren gehört der Auftritt des 1. Vogtländischen Schalmeienzugs Auerbach zu den festen und beliebten Programmpunkten des Selber Wiesenfestes. Ob beim Standkonzert am Paul-Gerhardt-Haus, während des Festzuges oder beim anschließenden Auftritt im Festzelt - die Musiker sorgen regelmäßig für Stimmung und werden vom Publikum mit viel Applaus empfangen.

Umso größer ist in diesem Jahr die Enttäuschung: Der Verein musste seine Teilnahme am Festzug kurzfristig absagen. Damit entfällt auch das geplante Standkonzert. Bereits im vergangenen Jahr konnte der Schalmeienzug nicht nach Selb kommen. Hinter der erneuten Absage steckt jedoch kein mangelndes Interesse am Wiesenfest, sondern ein Problem, das inzwischen viele Musikvereine beschäftigt: Fehlender Nachwuchs und personelle Engpässe.

Auch innerhalb des Vereins fällt die erneute Absage alles andere als leicht. „Wir bedauern das auch sehr, weil Selb für uns immer ein großes Highlight ist“, sagt der musikalische Leiter Ronny Knoth. Das Publikum in Selb sei für die Musiker stets etwas Besonderes, weshalb die Entscheidung keineswegs leicht gefallen sei.

 

Ein fehlendes Register kann den gesamten Auftritt unmöglich machen

Der Grund für die kurzfristige Absage ist letztlich Personalmangel. Betroffen ist ausgerechnet ein besonders wichtiges Register: Das Schlagzeug. Gerade in der Ferien- und Urlaubszeit (in Sachsen sind bereits Sommerferien) kommt es bei vielen Musikvereinen zu personellen Engpässen. Mehrere Musiker stehen urlaubsbedingt nicht zur Verfügung. Der letzte verbliebene Schlagzeuger, der den Auftritt in Selb hätte übernehmen können, musste nun krankheitsbedingt kurzfristig absagen. „Das ist natürlich ärgerlich, aber die Gesundheit geht ganz klar vor“, sagt Ronny Knoth.

Gerade in einem Schalmeienzug lassen sich einzelne Instrumente nicht beliebig ersetzen. Fehlt ein wichtiges Register, leidet nicht nur der Klang, sondern das gesamte musikalische Gesamtbild. Der Verein entschied sich deshalb schweren Herzens gegen einen Auftritt, der den eigenen Ansprüchen nicht gerecht geworden wäre.

 

Ein Problem, das viele Vereine kennen

Die Situation des 1. Vogtländischen Schalmeienzugs Auerbach steht stellvertretend für eine Entwicklung, die zahlreiche Musikvereine, Spielmannszüge, Schalmeienzüge und Blaskapellen seit Jahren beschäftigt.

Viele langjährige Musiker beenden irgendwann ihre aktive Laufbahn - sei es aus Altersgründen, beruflichen Veränderungen oder aus privaten Gründen. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, ausreichend Nachwuchs für die verschiedenen Instrumente zu gewinnen. Dabei genügt oftmals schon der Ausfall weniger Musiker oder sogar nur eines einzigen Registers, damit ein kompletter Auftritt nicht mehr möglich ist.

Diese Entwicklung macht sich inzwischen auch in der Region deutlich bemerkbar. So mussten in den vergangenen Jahren mehrere traditionsreiche Spielmannszüge ihre Vereinsarbeit einstellen. Unter anderem verschwanden die Spielmannszüge aus Schirnding und Höchstädt, beide einst stets beim Selber Wiesenfest vertreten, sowie Waldershof und Pechbrunn. Der Spielmannszug Rehau konnte seine musikalische Arbeit nur durch eine Kooperation mit Schwarzenbach fortführen.

Auch überregional zeigt sich ein ähnliches Bild. Musikgruppen, die über viele Jahre regelmäßig beim Selber Wiesenfest zu Gast waren - darunter der Spielmannszug Röthenbach oder der Malteser Fanfarenzug Ravensburg - haben ihre Aktivitäten inzwischen beendet.

 

Auch Veranstalter bekommen die Entwicklung zu spüren

Nicht nur die Vereine selbst, sondern auch Städte, Gemeinden und Veranstalter stehen zunehmend vor Herausforderungen. Immer häufiger wird es schwierig, ausreichend Musikgruppen für Festzüge oder Veranstaltungen zu gewinnen. Wo früher aus einer Vielzahl an Kapellen ausgewählt werden konnte, stehen heute deutlich weniger Klangkörper zur Verfügung.

Selbst aktive Vereine stehen regelmäßig vor der Aufgabe, genügend Musiker zusammenzubringen, um mit allen Registern auftreten zu können. Denn nur eine vollständige Besetzung sorgt für den ausgewogenen Klang und ermöglicht ein abwechslungsreiches Repertoire.

Auch der Spielmanns- und Fanfarenzug Selb kennt diese Herausforderungen. Zwar kann der Verein beim Selber Wiesenfest traditionell nahezu in Bestbesetzung antreten, bei der ein oder anderen Veranstaltung kann es aber auch schon einmal schwieriger werden, alle Instrumentengruppen in stattlicher Anzahl zu besetzen. So kann sich dies unmittelbar auf den Klangkörper und die musikalischen Möglichkeiten auswirken.

 

Musik kennt kein Alter

Umso wichtiger ist für viele Vereine die Gewinnung neuer Mitglieder. Dabei richtet sich der Blick längst nicht ausschließlich auf Kinder und Jugendliche. Viele Vereine freuen sich ebenso über Erwachsene, die ein Instrument neu erlernen oder nach längerer Pause wieder einsteigen möchten. Denn eines zeigt sich immer wieder: Für das Musizieren gibt es keine Altersgrenze. Gemeinschaft, Freude an der Musik und das Erlernen eines Instruments können in jedem Lebensabschnitt beginnen.

Auch der Spielmanns- und Fanfarenzug Selb sucht kontinuierlich neue Musikerinnen und Musiker. Im kommenden Jahr feiert der Verein sein 70-jähriges Bestehen. Ein schönes Jubiläum, das zugleich zeigt, wie wichtig es ist, musikalische Traditionen an die nächste Generation weiterzugeben.

Interessierte erhalten Informationen zum Verein sowie zu den Übungszeiten unter www.spielmannszug-selb.de

 

Schalmeienmusik bleibt dem Festzug erhalten

Ganz auf Schalmeienmusik müssen die Besucher des Selber Wiesenfestes dennoch nicht verzichten. Mit den Schalmeienfreunden Falkenstein wird auch in diesem Jahr wieder eine Schalmeienformation am Festzug teilnehmen und für die charakteristischen Klänge sorgen.

Die erneute Absage des 1. Vogtländischen Schalmeienzugs Auerbach ist dennoch mehr als nur eine kurzfristige Programmänderung. Sie macht deutlich, mit welchen Herausforderungen viele Musikvereine heute konfrontiert sind. Die Begeisterung des Publikums für Spielmanns- und Schalmeienmusik ist zwar nach wie vor groß, gleichzeitig wird es aber zunehmend schwieriger, diese Tradition mit ausreichend Musikerinnen und Musikern lebendig zu halten.

Vielleicht ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, selbst einmal ein Instrument auszuprobieren. Denn hinter jedem Festzug stehen Menschen, die mit viel ehrenamtlichem Engagement, regelmäßigen Proben und großer Leidenschaft dafür sorgen, dass diese besondere Form der Blas- und Marschmusik auch künftig fester Bestandteil vieler Feste bleibt.

 

Viele weitere Informationen rund um das Selber Wiesenfest 2026 gibt es im selb-live.de-Sondermagazinkostenlos erhältlich an zahlreichen Auslagestellen in Selb sowie natürlich auch als e-paper online >>> Sondermagazin 2026selb-live.de – Michael Sporer