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kreisverkehr selb goetheplatz 112222.11.2022 - Zwar deutlich Formen angenommen hat der Kreisverkehr am Goetheplatz in den vergangenen Monaten und wohl wäre er auch wie geplant bis Ende des Jahres fertiggestellt worden. Ein direkt darunter wasserführender Stollen muss allerdings erst gesichert werden. Erst dann kann der Straßenbau abgeschlossen werden.

„Wir hatten eigentlich Glück im Unglück“, mag sich Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch gar nicht ausdenken, was gegebenenfalls irgendwann einmal hätte passieren können, wäre die Straße beim fließenden Verkehr in sich zusammengebrochen. So war es eben der aktuellen Baumaßnahme zu verdanken, dass auf man auf die Schwachstelle, die genau unter dem Bauabschnitt durchläuft, gestoßen ist - nun aber allerdings auch viel Kopfzerbrechen bereitet, den Straßenbau verzögert und natürlich auch höhere Kosten mit sich tragen wird.

Wie bereits mehrfach auf selb-live.de berichtet, gab bei den Bauarbeiten für den neuen Kreisverkehr am Bahnhof der Untergrund nach und sackte ein. Zu Tage kam ein alter wasserführender Kanat. Dass der Untergrund in der Stadt Selb von einigen Kanaten und Stollen durchzogen ist, ist bekannt. Diese unterirdisch geschaffenen Tunnel wurden einst unter anderem zur Lagerung von Lebensmitteln bis hin zur Ableitung von Wasser genutzt. Allerdings ist häufig wenig über die genauen Lagen und Tiefen der Stollen bekannt ist. Karten für diese wohl weitestgehend in den 1900er-Jahren künstlich erstellten Bauwerke sind oft nicht vorhanden.

Der hier wasserführende Stollen dürfte Anfang der 1870er Jahre entstanden sein, liegt direkt unter dem Goetheplatz und führt weiter die Bahnhofstraße hinunter. Wohin genau, das ist noch unbekannt. Der Kanat dient zur Ableitung von Quellwasser. Die Quelle selbst liegt in rund elf Metern Tiefe direkt unter dem Bahnhofsgebäude.

Mehrere Voruntersuchungen waren in den vergangenen Wochen und Monaten vonnöten. Hierzu wurde seitens der Stadt Selb eigens das Ingenieurbüro Pedall eingeschaltet. Weiter konnte kurzerhand die im Bereich Bergbau spezialisierte Firma „Schachtbau Nordhausen“ beauftragt werden.

kreisverkehr selb goetheplatz 11222Herausgefunden wurde, dass der Stollen an manchen Stellen wohl teils schon zugeschüttet wurde, nur so kann sich Simon Pedall erklären, weshalb in späteren Jahren zur Wasserführung ein Betonrohr in diesem Stollen eingezogen wurde. Immerhin hatte das Rohr den Vorteil, dass hierdurch Kamerafahrten durchgeführt werden konnten, ein Ortungskopf genaue Auskünfte über die Lage und Tiefe liefern konnte, was sonst ein deutlich schwierigeres Unterfangen geworden wäre. Erste Grundlagen für den Bereich zwischen dem Bahnhof und dem Bereich auf etwa Höhe des Restaurants „Saigon“ konnten so gewonnen werden.

Wie Simon Pedall erklärt, besteht nun zum einen die Möglichkeit, den Kanat durch Bergbauspezialisten auszuräumen und von unten zu sichern. Das sei allerdings eine sehr kostenintensive Tätigkeit. Vielmehr müsse versucht werden, die durch die Untersuchungen bekannt gewordenen Hohlräume von oben anzubohren und schließlich zu verpressen. Allerdings könnte das Betonrohr in seinem jetzigen baulichen Zustand dann dem Druck nicht mehr Stand halten. In Betracht fällt nun, das Rohr über ein Inlinerverfahren von innen zu stabilisieren. Ziel sei der Erhalt einer Freispiegelleitung, sprich, dass das Wasser gemäß Gesetz der Schwerkraft vom höher gelegenen Punkt zu einem tiefer gelegenen Punkt gelangt. Kostspielige Möglichkeiten wie der Einsatz von Pumpen sollen vermieden werden. Noch aber müsse auch der weitere Verlauf des Kanats in der Bahnhofstraße geprüft werden. Dieser dürfte dann jedoch nach und nach in nicht mehr so großen Tiefen zu finden sein, was die Arbeiten dann erleichtern könnte.

Schritt für Schritt werde an neuen Erkenntnissen gearbeitet. „Diese benötigen wir für eine Entscheidungsgrundlage, um sowohl die günstigste als auch die schnellste Lösungsvariante bestimmen zu können“, so Pötzsch. Eine andere Wahl habe man auch gar nicht. „Das ist höhere Gewalt. Beim Thema „Gefahr für Leib und Leben“ müssen wir reagieren!“ Auch wenn die Sachlage natürlich alles andere als schön ist, „wir können nur um Verständnis bitten. Für diese Situation kann keiner etwas. Das war so in diesem Ausmaß nicht vorhersehbar“, erklärt der Oberbürgermeister. Natürlich habe man die umliegenden Gewerbetreibenden über den aktuellen Stand stets informiert. Weiter versicherte er, dass alle am Bau beteiligten Firmen als auch die Stadt Selb gemeinsam lösungsorientiert arbeiten mit dem Ziel, nach der Sicherung des Stollens im Frühjahr nach Ende der Frostperiode so schnell wie möglich die Straßenbauarbeiten abschließen zu können. „Ohne dieses große Problem wären wir mit dem Kreisverkehr bis Ende des Jahres wie geplant fertig geworden“, gibt Pötzsch zu bedenken, dass die beauftragte Firma VSTR um Bauleiter Dominique Gabler derweil andere Tätigkeiten wie im Bereich der Fußgängerwege vorgezogen hatte, einen Baustopp nicht einlegen musste. In Sachen Mehrkosten hofft das Stadtoberhaupt auch auf finanzielle Unterstützung durch die Bezirksregierung. Für den Bau des Kreisverkehrs selbst sind laut Tiefbauingenieur Maximilian Seidel (Stadt Selb) schon allein 1,05 Mio. Euro (900.000 Euro Stadt Selb / 150.000 Euro ESM/AWS) veranschlagt.

Noch in diesem Jahr sollen zumindest in der Friedrich-Ebert-Straße die Schrägparkplätze fertiggestellt und die Straße ab der Martin-Pöhlmann-Straße in Richtung Bahnhof selbst insoweit als Sackgasse freigegeben werden. Die Gehwege wurden in diesem Bereich bis zur Geschwister-Scholl-Straße bereits abgeschlossen.

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