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kino selb 122226.1.2023 – Zu welchem Zeitpunkt das Kommunale Kino „SPEKTRUM Selb“ eröffnen wird, das ist noch offen. Eine noch notwendige Lüftungsanlage wird wohl erst im Mai geliefert werden. Diese soll, wie bereits berichtet, im Dachgeschoss des Gebäudes installiert werden. Derweil blickte der Selber Stadtrat in die Wirtschaftsplanung der neuen Einrichtung

Die Leiterin des Kommunalen Kinos, Jennifer Ruckdeschel, stellte in einer 5-Jahresplanung die geplanten Umsätze sowie Aufwendungen gegenüber. Da es aktuell noch keinen laufenden Betrieb gibt, der reale Zahlen liefert, erfolgte die Kalkulation auf Basis von Planzahlen. Herangezogen wurden unter anderem Zahlen des Vorbesitzers im Bereich Kino und Concessions, statistische Durchschnitts- und Branchenwerte sowie die Erfahrungswerte, die im Bereich der Kinoprogrammplanung gesammelt werden konnten.

Auf der Kostenseite fallen Fixkosten wie Personal-, Raum-, Verwaltungssachkosten- und Werbekosten an sowie variable Kosten für das Veranstaltungsprogramm und den Wareneinkauf bei Speisen und Getränken. Den größten Anteil der fixen Kosten macht bei der Kalkulation das Personal mit rund 70% vom gesamten Fixkosten-Aufwand aus. Den zweitgrößten Kostenfaktor stellen durchschnittlich die Raumkosten dar. Enthalten sind unter anderem Kosten für Wasser, Strom und Heizung, Instandhaltungs- bzw. Wartungskosten sowie der Gebäudeunterhalt. Insbesondere Heizungs- und Stromkosten machen mit mehr als zwei Drittel der gesamten Raumkosten den höchsten Anteil in der Kostengruppe aus. Aufgrund der aktuellen Energie-Situation wurde hier eine etwa 60%-ige Steigerung zu den ursprünglich geplanten Kosten einkalkuliert. Die Werbekosten machen im Durchschnitt gesehen die drittgrößte Position aus. Die Aufwendungen dafür sind zum Betriebsstart am höchsten und verringern sich im Laufe der Jahre. Die Verwaltungssachkosten für beispielsweise Büromaterial, Telekommunikation, Versicherungen, Fortbildungen oder Kosten für externe Dienstleiser machen den geringsten Anteil der Fixkosten aus.

Auf der Umsatzseite können Einnahmen durch das Veranstaltungsprogramm, Verkauf von Speisen und Getränken, Werbeerlöse sowie Einnahmen durch Zuschüsse, Spendengelder und Sponsoring erzielt werden.

Im ersten Jahr des Betriebsstarts rechnet Ruckdeschel damit, dass die Kosten die Umsätze um einen 6-stelligen Betrag übersteigen werden. Dieses Defizit soll in den geplanten fünf Jahren reduziert werden. Im fünften Jahr könnte ein 4-stelliges Plus erreicht werden.

Einnahmen/Kosten: 1. Jahr: 251.302 / 392.209 Euro; 2. Jahr: 349.244 / 407.902 Euro; 3. Jahr: 378.174 / 414.741 Euro; 4. Jahr: 408.617 / 419.987 Euro; 5. Jahr: 434.561 / 425.233 Euro

Nachfolgend wurden die Maßnahmen dargestellt, mit denen das umgesetzt werden soll: Beim Veranstaltungsprogramm ist eine Umsatzsteigerung von durchschnittlich 15% pro Jahr geplant, indem die Besucherzahlen des regulären Filmprogramms erhöht werden. Zum Start wird mit einer Auslastung von zunächst 8% kalkuliert (ca. 15.700 Besucher pro Jahr). Im Laufe der fünf Jahre soll diese Quote auf 13% gesteigert werden (ca. 25.500 Besucher pro Jahr), was in der Kinobranche als durchschnittliche Auslastung gilt. Das reguläre Filmprogramm soll sukzessive um Sonderveranstaltungsformate ergänzt werden. Darunter fallen Formate wie Alternativer Content, Filmevents, Schulkinovorstellungen und auch Vermietungen, die ebenfalls zusätzliche Umsätze einbringen. Eine Senkung der variablen Kosten ist in diesem Bereich kaum möglich, da diese parallel zu den generierten Umsätzen ansteigen.

Die Einnahmen durch Speisen und Getränke umfassen die Concessions, d.h. die Kino-Snacks und Getränke sowie das zusätzliche Speisen- und Getränkeangebot im Café. Diese Position macht insgesamt rund die Hälfte des gesamten Betriebs-Umsatzes aus. Mit schrittweiser Erhöhung der Kinobesucherzahlen und einer Ausweitung des gastronomischen Angebots ab Jahr 2 ist eine Umsatzsteigerung von durchschnittlich 9% pro Jahr möglich. Gleichzeitig soll versucht werden den Wareneinsatz von anfänglichen 35% zu reduzieren, um die Kosten für den Einkauf der Waren zu verkleinern.

Ein kleiner zusätzlicher Umsatz ist in Form von Werbeerlösen möglich, die durch Werbung z.B. auf der Leinwand oder den Foyermonitoren erzielt werden können.

Ab dem zweiten Jahr können über verschiedene Sponsoring-Pakete zusätzliche Einnahmen generiert werden. Weiterhin wird mit jährlichen Spendenmitteln geplant. Über die Gestaltung des Filmprogramms soll der Zugang zu verschiedenen Förderungen ermöglicht werden. Ab Jahr 2 ist eine Förderung für die Integration von Kurzfilmen ins reguläre Programm angestrebt, die Förderung für den Einsatz europäischer Produktionen sowie ein Zuschuss über den Kinoprogrammpreis.

 

Öffnungszeiten des Kommunalen Kinos

Das SPEKTRUM SELB soll von Donnerstag bis Mittwoch geöffnet sein. Von Freitag bis Sonntag öffnet das SPEKTRUM um 15:30 Uhr. Freitag und Samstag schließt es um 23 Uhr, am Sonntag um 22 Uhr. Von Montag bis Mittwoch sind die Öffnungszeiten von 16:30 Uhr bis 22 Uhr. Die ersten Filmvorstellungen starten jeweils eine halbe Stunde nach Öffnung. Parallel dazu öffnet der Küchenbereich. Nach dieser Planung beträgt der Arbeitsaufwand 75 Stunden pro Woche beim Einsatz von maximal zwei Mitarbeitern parallel. Geplant ist ein Betrieb von 341 Tagen im Jahr.

 

Liefertermin Lüftung

Der Liefertermin für die Lüftungszentrale im Dachgeschoss wurde auf die KW 19 verschoben. Somit verschiebt sich auch die Wiedereröffnung des Kommunalen Kinos nach hinten. Mit Anlieferung der Lüftungszentrale kann mit rund zwei Monaten für den Einbau der Anlage und Abschluss der Umbauarbeiten kalkuliert werden. Die Bestellung für das Lüftungsgerät im Dachgeschoss wurde bereits im Mai 2022 ausgelöst. Die Bauleitung weist darauf hin, dass es sich beim genannten Liefertermin Anfang Mai 2023 erneut um keinen verbindlich bestätigten Termin handelt. Weiterhin ist darauf hinzuweisen, dass ein Abschluss des Kinoumbaus nicht gleichbedeutend mit der Wiedereröffnung des SPEKTRUM SELB ist.

 

Prognostizierte Kosten Kinoumbau

Summe Baukosten: 1.682.153,55 Euro

Prognostizierte Einnahmen: Förderbescheid 1.429.200 Euro, Spenden 203.303,80 Euro

Die prognostizierten Ausgaben übersteigen die prognostizierten Einnahmen um ca. 49.649,75 €. Diese übersteigenden Kosten können durch die vom Stadtrat festgesetzten Eigenmittel in Höhe von 80.000 € gedeckt werden.

 

Anneliese Schade (Aktive Bürger Selb) ist der Ansicht, dass die Wirtschaftsplanung sehr vorsichtig aufgestellt wurde. Das Projekt gelte es weiterhin positiv zu begleiten. Die Stadträtin hofft, dass das Kino dann von der Bürgerschaft auch so angenommen wird.

Konservativ habe Jennifer Ruckdeschel die Einnahmemöglichkeiten bei der Werbung kalkuliert. Werbepartner zu finden sei gerade zum Start nicht planbar. Das erklärte sie auf Nachfrage von Lisa Schiener (FWS) zu diesem Thema. Umgekehrt sei es wichtig, gerade zum Start des SPEKTRUMS die Werbetrommel für diese Einrichtung ordentllich zu rühren.

Negativ in der Kalkulation aufgestoßen ist der FWS die in den nächsten Jahren konstant bleibenden Personalkosten. Auch Wolfgang Kreil (CSU) könne nicht nachvollziehen, woraus sich die Persoalkosten von rund 190.000 Euro über konstant fünf Jahre zusammensetzen. Er sieht diese Kosten als unrealistisch an. Dem Stadtrat verkauft wurde das Kino mit der Aussage, dass es kostendeckend getragen wird. Nun würden die Zahlen in den ersten vier Jahren ein Defizit von gesamt rund 250.000 Euro ausweisen. „Das ist mehr Draufzahlen als an Spenden eingegangen sind!“ Auch meint er, dass die Stadt Selb beim Kino auf Dauer ein Defizit einfahren wird, nur dürfe dieses nicht ins Utopische laufen. Matthias Müller (CSU) sieht hier ebenso eine Kostenfalle. Er ist der Meinung, dass man dieses Geld in Selb an anderer Stelle sinnvoller hätte investieren können.

Walter Wejmelka (SPD) ging ebenso auf die Ungereimtheiten bei den Personalkosten ein. Er sei aber auch überrascht darüber, dass im Gastrobereich nun von einem deutlich höheren Umsatz als noch in den Ursprungsplanungen ausgegangen wird. Von einer zusätzlichen Gastroleitung sei nie die Rede gewesen. Er erwartet, dass dies mit eine Aufgabe von Frau Ruckdeschel mit den Zusatzkräften ist.

Ruckdeschel gibt in punkto Personalkosten den kritischen Stimmen insofern Recht, dass Tariferhöhungen nicht mit einberechnet wurden. Allerdings kino selb 1222erklärte sie auch, dass die Personalkosten bei einer - wie aufgezeigt - höheren Auslastung gleichbleiben. Es sei zudem immer die Idee gewesen, mehr als „nur“ Kino zu machen, was so sonst nicht funktionieren würde. Stets habe man das „SPEKTRUM Selb“ als gesamtes Erlebnis und Begegnungsstätte kommuniziert. An dieser Grundidee sei auch nichts geändert worden, lediglich die Anforderungen würden steigen.

Anneliese Schade ergänzte, dass das ursprüngliche Konzept immer wieder verfeinert wurde. Das habe schließlich auch die Regierung zu einer 90-prozentigen Förderung überzeugt. Sie erinnerte an die Worte eines Industriellen am Ort: „Hört auf mit dem Pessimismus!“ Und gerade aus diesen Richtungen gab es die Unterstützung in Form von Spendengeldern. Diese hätten es ermöglicht, bislang kostendeckend alles vorbereiten zu können.

Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch erklärte, dass der Bereich der Gastro gar nicht durch die Kinoleitung (Teilzeitstelle) im gewünschten Umfang geleistet werden könnte. Hier brauche es Unterstützung. Und auch er erinnerte an die Anfänge der Planungen. Das Thema eines „Designcafés“ wurde im Rahmen des Masterplanprozesses entwickelt. „Das war der Schlüssel für hohe Förderungen!“