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jacobs selb silvester 2018

naturfreunde selb 091814.9.2018 – Acht Selber Naturfreunde zwischen siebzig und zweiundneunzig, mit zusammen 664 Jahren unternahmen eine Nostalgiefahrt nach Töll in den Südtiroler Vinschgau. Sie alle wollten wieder einmal einige der Stätten ihrer aktiven Zeit

besuchen oder einfach nur hinaufschauen auf all die Berge, die früher ihr Wander– und Klettergebiet waren. War die Anfahrt über den Fernpass, Reschenpass und hinunter durch den ganzen Vinschgau nach Töll schon mit vielen Erinnerungen gespickt, so wollte man doch auch noch etwas Neues probieren. So war der in aller Munde gelegene „Dursterhof“, 1000 Meter hoch, dem Steilhang abgerungen, mit fantastischem Tiefblick auf Partschins und in das Meraner Becken, gerade recht dafür. Dort oben muss man einfach einmal gewesen sein. Die 500 Höhenmeter hinauf zum Hof hätte man zu Fuß nur schwer geschafft. Also fuhr man mit dem Taxi, denn mittlerweile führen überall Straßen auf die entlegensten Höfe, um den Besitzern das Bleiben und Bewirtschaften zu erleichtern. Auf dem Dursterhof gibt es daher eine viel besuchte Jausenstation und eine am Steilhang angelegte große Himbeerplantage, deren Produkte natürlich auch ein Grund sind, den Dursterhof zu besuchen. Doch das Tollste an diesem Hof ist, der Besitzer hat ein Fable für alles, was sich aus Steinen machen lässt und die gibt es dort ja zur Genüge. Tür- und Fensterbögen in allen Varianten, kunstvoll ausgeführte Mauern und Säulen, einen riesengroßen echten „Steinpilz“, Türmchen an allen Ecken und liebevoll gestaltete kleine Kostbarkeiten, alles aus Stein. Man kann Stunden dort oben verbringen und wird dabei immer wieder etwas Neues entdecken.

Volker Wild, der Busfahrer und die sehr kompetente Reiseführerin hatten eine, von der üblichen Touristenroute abweichende, große Dolomitenrundfahrt zusammengestellt, für die ihnen der allergrößte Respekt gebührt. Fuhr man früher von Bozen hinauf auf den Karerpass, so musste man durch die enge Schlucht, zwischen mächtigen, aber brüchigen braunen Porphyr-Wänden hindurch. Heute geht es durch Tunnels, das ist sicherer, auch wenn dadurch der gewisse „Kick“ fehlt. Am Karersee stauen sich die Busse. Jeder will einen Blick auf den kleinen, nur vom Regen und der Schneeschmelze, durch unterirdische Quellen gefüllten smaragdgrünen „See“ werfen, in dem sich Latemar und Rosengarten spiegeln. Ein Massenauftrieb, aber schön.

Über den Pass hinüber, ging es hinab und das Fassatal entlang zum Hauptort nach Canazei. Waren es früher nur einige Dörfer und Weiler, so fährt man heute endlos an Hotels und Pensionen vorbei. Die Fahrt ging dann weiter, hinauf zum Fedaia-Stausee am Fuße der Marmolata. Am Stausee endet auch der auf dem Pordoijoch beginnende „Bindelweg“, ein faszinierender Wanderweg immer mit Blick auf die Marmolata, den die Selber Naturfreunde mit über vierzig Personen auch schon begangen haben. Doch damals erstrahlten die Eis- und Firnflanken der „Königin der Dolomiten“ noch in alter Pracht. Heute ist nur der obere Teil noch vergletschert. Alles andere ist nackter grauer abweisender Fels. Weiter ging es auf der steilen engen Straße, die vielen „Tornante“ hinunter nach Caprile. Für Volker Wild war das kein Problem, er meisterte sie alle. Durch das Buchensteintal fuhr man dann wieder hinauf, vorbei am „Blutberg“ der Italiener, dem Col di Lana. Auch hier prangerte die Reiseleiterin wieder die Sinnlosigkeit des Gebirgskrieges 1916/18 zwischen Italien und Österreich an, denn allein am Col di Lana starben rund 8.000 Soldaten. Dann ging es am Padonkamm entlang nach Arabba. Der Padonkamm ist ein Vulkangestein das zwischen den Dolomitfelsen aufragt mit dem Trincee Klettersteig, der auch zur damaligen Frontlinie gehörte und auf dem man auch schon oben war. Durch Corvara und vorbei an Kolfuschg mit dem imposanten Sass Songher fuhr man, am Fuße des Sellamassivs entlang, hinauf zum Joch. Dabei wurde der Blick frei auf zwei wuchtige senkrechte Felsblöcke, zwischen denen ein Spalt bis zum Sockel herunter reichte. Im oberen Drittel sah man einen winzigen Menschen auf der Hängebrücke stehen, die beide Blöcke miteinander verbindet. Dort hinauf führt einer der anspruchsvollsten Klettersteige, der sich immer mehr zum „Renner“ entwickelt, der Pisciadu Klettersteig. Man muss ihn einfach gemacht haben, muss das Kribbeln im Magen bei der Überschreitung der Hängebrücke gespürt haben und den Blick in die Tiefe. Doch nicht die Hängebrücke ist die Schlüsselstelle, sondern die an einer senkrechten Felswand angebrachte Eisenleiter. Man hat keinen Kontakt mehr mit dem Fels, steigt wie an einer Hauswand empor, hat einige hundert Meter Luft unter dem Hintern und hofft nur, dass das Ding hält. Mehr geht nicht und man denkt gerne daran zurück.

Der reizvolle Algunder und der allseits bekannte Marlinger Waalweg standen ebenfalls auf dem Programm. Beide führen hoch über den heißen Talkessel vom Meran am Berg entlang und bieten herrliche Ausblicke auf Meran und Dorf Tirol. Waalwege haben ihre eigenen Gesetze. Fast alle Urlauber kennen sie. Sie sind immens beliebt und belebt. Alle Besucher sind fröhlich, grüßen sich, plaudern miteinander, tauschen Informationen über andere Wege, über gute Gastwirtschaften und dergleichen aus. Kurz und gut, die Selber NaturFfeunde-Senioren können diese Wege noch lange Jahre genießen.

Kritisch wurde es erst beim steilen Abstieg hinunter nach Algund. Die Zehen wollten vorne aus den Schuhen, die Gelenke knickten immer wieder einmal ein, dazu noch die Hitze, es war kein Vergleich zu früher. Das Allerschlimmste war jedoch, dass der Älteste auch der Fitteste war. Das kratzte am Image der anderen, war aber gleichzeitig auch ein Ansporn es im nächstem Jahr wieder zu versuchen.

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