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Offener Brief der BHS tabletop AG an Ministerpräsident Söder

bhs tabletop selb23.3.2020Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Dr. Söder, Covid-19 hat unser Unternehmen und das Leben von 1.165 Beschäftigten innerhalb weniger Tage dramatisch verändert. Bis Februar 2020 waren wir wirtschaftlich gesund, produzierten in Schönwald, Selb und Weiden mit einer hochmotivierten und hervorragend qualifizierten Belegschaft profitabel Hotel- und Gastronomieporzellan für den Weltmarkt.

Unser Porzellan der Marken Schönwald, Bauscher und Tafelstern findet sich im bayerischen Finanzministerium, im ICE-Bordbistro der Deutschen Bahn, bei Lufthansa, auf Kreuzfahrtschiffen genauso wie auf dem Münchener Oktoberfest. Als großer Arbeitgeber stehen wir zur Region Oberfranken und Oberpfalz und sind stolz auf unser Qualitätsversprechen „Made in Bavaria.“

Heute ist alles anders: Die beispielslose Krise lässt unsere Werke stillstehen, weil weltweit Gastronomie, Hotels, Caterer, Kreuzfahrt- und Fluggesellschaften Aufträge stornieren bzw. keine mehr tätigen. Am 20. März haben wir flächendeckend Kurzarbeit angeordnet, eine finanziell und emotional höchst belastende Situation für all unsere Mitarbeiter.

Wir sind als Unternehmen der Porzellanbranche Krisenzeiten gewohnt: 1997/98 bewältigten wir – damals noch als Hutschenreuther AG – aus eigener Kraft um den Preis des Abbaus von mehreren Hunderten Arbeitsplätzen eine gravierende Krise. In der Finanzkrise 2008 verloren wir deutlich an Umsatz, blieben aber trotzdem lebensfähig. Wir trotzen seit Jahrzehnten globalen Wettbewerbern in Fernost, die aufgrund anderer Lohnstrukturen viel günstiger produzieren können. Wir dagegen sind tarifgebunden, verfügen über höchste Umwelt- und Qualitätsstandards und investierten konsequent in die Standorte Oberfranken und Oberpfalz. Erst kürzlich haben wir in Beisein der bayerischen Staatsregierung unseren hochmodernen Glühofen eingeweiht, eine Investition in die Zukunft, die Sie mit ermöglicht haben.

Leider hat die aktuelle Krise eine ganz neue Dimension. Innerhalb weniger Tage wurden aufgrund der notwendigen Schutzmaßnahmen Events abgesagt, Reisen storniert, Flüge gestrichen, Hotels und Restaurants geschlossen. Dies kann das endgültige Aus jeder Porzellanindustrie in Bayern sein. Eine über Jahrhunderte währende Geschichte geht innerhalb weniger Monate zu Ende.

Unverschuldet führte die Krise zum kompletten Umsatzeinbruch und Einnahmenverlust. In ihrer hohen Dynamik und einschneidenden Wirkung bedroht sie die Existenz des Unternehmens. 1.165 Arbeitsplätze in Oberfranken und der Oberpfalz stehen bei der BHS tabletop AG auf dem Spiel.

Wir – Vorstand, Betriebsrat und 1.165 Beschäftigte – appellieren deshalb an Sie und bitten Sie, Herr Ministerpräsident, einer beispiellosen Krise eine beispiellose Rettung folgen zu lassen.

Wir benötigen den schnellen Zugang zu temporären Liquiditätshilfen. Mit Dank haben wir Ihre verschiedenen Initiativen und die der Bundesregierung zu Kurzarbeitsregelungen und Steuererleichterungen wahrgenommen. Leider reicht dies auch mit unseren Unternehmensreserven nicht, um den radikalen Einnahmenrückgang über einen längeren Zeitraum zu überbrücken. Die Liquidität, die wir kurzfristig stemmen müssen, liegt signifikant höher als die Effekte von Kurzarbeit und Stundungen bewirken. Die Auszahlung über z.B. KFW oder LFA dauert üblicherweise drei bis vier Monate. In der aktuellen Situation benötigen wir diese in einem deutlich kürzeren Zeitraum.

Wir bitten Sie auch zu berücksichtigen, dass die Auswirkungen der Krise über 2020 hinausgehen werden. Finanzielle Maßnahmen sollten längerfristig zurückzuzahlen sein. Die BHS tabletop AG hat als mittelständisches Unternehmen zusammen mit seinen Mitarbeitern allein in den letzten zehn Jahren über 130 Millionen € an Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen entrichtet. Als bisher erfolgreiches und profitables Unternehmen bleibt unsere Perspektive positiv. Menschen werden wieder reisen, Essen

gehen und Events besuchen. Wir haben hervorragend qualifizierte und motivierte Beschäftigte, eine moderne Produktion und Logistik und somit die menschliche und strukturelle Voraussetzung, diese Krise zu überstehen. Mit Ihrer Hilfe haben wir eine Chance.

Mit freundlichen Grüßen aus Selb

Gerhard Schwalber           Michael Ott

Vorstandsvorsitzender     Gesamtbetriebsrat

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