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baum kappel selb 0219214.2.2019 – „Das sind zum Teil tickende Zeitbomben“, machte Stadtgärtner Thomas Frank in der Sitzung des Bauausschuss des Selber Stadtrats klar. Die Verkehrssicherheit könne somit nicht gewährleistet werden. Der Baumbestand um das Areal des ehemaligen Fußballplatzes auf der Kappel und dem damit zukünftigen Baugebiet „Kappelland“ muss saniert werden, einige Bäume gar gefällt werden.

„Wir haben hier eine ganz besondere Situation, denn mit dem Kauf des Geländes haben wir nun auch Verantwortung übernommen“, erklärte Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch dem Gremium. Der vorherige Grundstückseigentümer habe sich zum einen wenig bis gar nicht um den Baumbestand und die Böschung gekümmert. Zum anderen sollen hier, wie mehrfach berichtet, Baugrundstücke entstehen. Um die Parzellen vermarkten zu können, muss die Stadt Selb neben der zu erstellenden Erschließungsstraße auch die Grünzüge neu bewerten. „Denn hier kann ein Baum nicht mehr etwa nur auf ein Fußballfeld, sondern nun auf ein Haus fallen“, so der Rathauschef. Zugleich machte er deutlich, dass man die Arbeit in Sachen Natur und Baumbestand sehr ernst nehme, nicht aus reiner Willkür handle.

Thomas Frank, basierend auf langjährige Fachkenntnisse, ging gegenüber den Räten zunächst auf den Gehölzbestand entlang der Hofer Straße ein. Nur teilweise sei dieser erhaltenswert, „da er nicht standortgerecht gepflanzt wurde und teilweise aus Anflug besteht!“ Versäumte Gehölzpflege und zu dichter Wuchsabstand bereite der Verkehrssicherheit Probleme. Aufgrund des Schiefwuchses und die dortige Hanglage resultiere ein starker Überhang und eine Kopflastigkeit, was zu Wund und Schneebruch führen könne. Von einigen Bäumen gehe eine hohe Versagensgefahr aus. Thomas Frank schlug entsprechend vor, den Baumbestand soweit die Verkehrssicherheit gegeben ist, zu erhalten. Diese Exemplare müssten jedoch einer Kronenpflege unterzogen werden, um einen gleichmäßigen Kronenaufbau zu gewährleisten und um Fehlentwicklungen zu korrigieren. Bei den gerodeten Bäumen müssten mithilfe von Bagger und Wurzelstockfräße die Stümpfe beseitigt werden. Zum einen, um eine Neupflanzung nicht zu behindern, zum anderen um einen Neuaustrieb zu verhindern. Als Ersatz für die gerodeten Bäume sollte im Frühjahr eine standortgerechte Gehölzpflanzung erfolgen. Die Pflanzenauswahl sollte zudem aus mittelstark wachsenden Laubgehölzen (Endhöhe 10-15 Meter) und kleineren Sträuchern, die zur Hangbefestigung und zum Lärmschutz dienen, bestehen.

baum kappel selb 02191Entlang der Böschungskopfes zum Ludwig-Thoma-Weg habe der Gärtner bei einer Reihe von Spitzahorn eine gute Vitalität erkannt. Jedoch sei der Kronenaufbau mehrstämmig mit sich kreuzenden und reibenden Ästen. Als ungünstig erweise sich oft der Kronenaufbau, die einzelnen Stämmlinge bilden asymmetrische gewachsene Baumkronen. Als Maßnahme soll ein Kronensicherungsschnitt bzw. eine Kroneneinkürzung ggf. in Verbindung mit dem Einbau von Kronensicherungen erfolgen. Weiterhin ist angedacht, ein Lichtraum-Profil-Schnitt durchzuführen und die Äste zu den angrenzenden Gebäuden zu kürzen.

Überwiegend aus Pappeln besteht die Baumallee entlang der Jean-Paul-Straße. Diese Bäume hätten ihre Lebenserwartung längst überschritten. Die Pappel zählt zu den für natürliche Astbrüche anfälligen Baumarten. „Durch das hohe Alter der Bäume bildet sich verstärkt Totholz, wodurch die Verletzungs- bzw. Unfallgefahr durch Ast-Wurf und Windbruch vergrößert wird“, warnt der Stadtgärtner vor möglichen Gefahren. Die in der Baumreihe befindlichen Eichen würden nach einer Kronenpflege keine Gefahr hinsichtlich der Verkehrssicherheit darstellen. Eine Weide und einige Birken sollten jedoch entfernt werden. Bereits kurz nach dem Erwerb des ehemaligen Sportplatzes wurde in einer Sofortmaßnahme mithilfe einer großen Hubarbeitsbühne die Verkehrssicherheit entlang der Jean-Paul-Straße hergestellt. Zur Sportplatzseite sind diese Bäume noch nicht saniert.

Einig zeigten sich die Ausschussmitglieder, die Baumallee komplett zu entfernen. Dies auch mit dem Hintergrund, dass zum Sportplatz hin auch von der Jean-Paul-Straße aus zukünftig Häuser mit Gartengeschoss erschlossen werden sollen. Allerdings, so ein Vorschlag von Roland Graf (SPD), sollte man hier die zukünftigen Grundstückseigentümer bzw. Bauherren verpflichten, wieder Heimatgehölze zu pflanzen. Oberbürgermeister Pötzsch könne sich gar vorstellen, schon allein des Symbolcharakters wegen, dass man diese Sache ernst nehme, seitens der Stadt Bauherren einen standortgerechten Baum zur Anpflanzung zur Verfügung zu stellen. baum kappel selb 02192